Game-Tipp: Bunte Gesellschaftskritik zu Weihnachten

Ein Strichmännchen gegen Schwarzweiss: In diesem Jump-and-Run-Spiel bringen die Spieler mit Farbe den Geist von Weihnachten zurück. Grosses Lob von unserem Game-Kritiker Oliver Steffen an die Spielmacher.

(Bild: Screenshot «Colour My Fate»)

«Farbe ist wertvoll und öffnet deinen Geist.» So wird der Spieler in «Colour My Fate» eingeführt. In diesem Weihnachtsspiel der Gattung Jump-and-Run begleiten die Spieler ein Strichmännchen auf der Reise durch eine surreale Welt aus Häuserschluchten, Keller, Laboratorien und Sicherheitszentren. In diese schwarzweisse Welt soll weihnächtliche Farbe gebracht und ein Tannenbaum aufgestellt und geschmückt werden. Um dies zu tun, aktivieren die Spieler an bestimmten Stellen farbige Lichtfunkten per Mausklick. Diese lassen Dekorationen erscheinen, erhellen die Umgebung oder öffnen Durchgänge. Damit sich diese Funken aktivieren lassen, braucht es jedoch einen «farbigen Geist» – wozu farbige Christbaum-Kugeln gefunden werden müssen, die in der Spielwelt verteilt sind.

Farben kontrastieren virtuelle Welt

«Colour My Fate» verbindet traditionelle Weihnachtssymbole und –dekorationen mit einer zeitgenössischen Gesellschaftskritik: Die Weihnachtskugeln stehen für die Farbigkeit des Geistes. Jede Farbe ist mit einem natürlichen Element oder Phänomen assoziiert, mit Sonne, Licht, Wasser, Pflanzen, Feuer oder dem Planeten Erde. Diese Farben und Thematiken kontrastieren mit der virtuellen Welt, die sich durch Schwarzweiss-Farben und technische Apparate wie Roboter und Sicherheitssysteme auszeichnet. So sind das Verteilen von farbigen Geschenken und das Aufstellen und Schmücken des Weihnachtsbaumes nicht nur blutleere Rituale. Sondern sie sind ein Zeichen dafür, dass es einer Anstrengung bedarf, um den Geist zu öffnen, dass aber ein «farbiger Geist» in der Lage ist, Farbe und Leben zu spenden. Und dass dies dort notwendig ist, wo Farbe, Leben und Liebe aus der Umwelt verbannt und in Produkte verwandelt werden, zugunsten einer sicheren, bequemen und reibungslosen, aber auch seelenlosen Existenz.

Klares Urteil: selten schön!

«Colour My Fate» ist ein kurzes und kurzweiliges Abenteuer mit liebevollen Animationen, Humor und einer klaren Symbolsprache. Es motiviert mit der Suche nach den Farben, um die entsprechenden Funken zu aktivieren und ihre Wirkung zu erfahren. Die Steuerung ist simpel, die Hüpfeinlagen fordern kaum. Die Welt ist überschaubar, doch kommt der Spielfluss teilweise ins Stocken, da der weitere Weg nicht immer klar oder gleich erkennbar ist. Dennoch wirkt «Colour My Fate» überwiegend meditativ: Virtuelle Fehler, Zeitdruck und Tode gibt es nicht, nur das Suchen und Entdecken, begleitet von einem stimmungsvollen Klavierspiel. Ein selten schönes Weihnachtsspiel!

 

Angaben zum Spiel

Colour My Fate (Silver Stitch/Newgrounds 2009)

Sprache: Englisch, wenig Text

Plattformen: Internet

Gratis spielbar auf der offiziellen Webseite

Offizielle Webseite

Keine offizielle Alterskennzeichnung. Empfehlung des Autors: Ab 10 Jahren.

 

 

Über den Autor

Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

Forschungswebseite: «Between God Mode and God Mood»