Freitagsgebet auf wieder geöffnetem Tempelberg

Nach den gewaltsamen Zusammenstössen in Jerusalem ist zum Freitagsgebet ein massives Polizeiaufgebot mobilisiert worden, um die Lage zu beruhigen. Hunderte Polizisten waren im Einsatz und kontrollierten den Zugang von den Toren der Altstadt bis zur Al-Aksa-Moschee.

Der Tempelberg in Jerusalem.
Der Tempelberg in Jerusalem. (Bild: random exposure/Wikimedia)

Der Tempelberg wurde nach der vorübergehenden Schliessung wieder für muslimische Gläubige geöffnet. Grenzpolizisten kontrollierten die Papiere von Gläubigen an den Eingängen zum Gelände und liessen über 50-jährige Männer für das Freitagsgebet passieren. Mehr als 4000 Gläubige nahmen am Gebet teil.

Junge Palästinenser versuchten, sich trotz eines Verbots Zugang zum Tempelberg zu verschaffen. Weitere Palästinenser hätten Feuerwerkskörper von angrenzenden Hausdächern gefeuert. Polizisten versuchten, das Vordringen der Palästinenser zu verhindern.

Weite Teile der Altstadt waren wegen der strengen Sicherheitsmassnahmen fast menschenleer. Medienberichten zufolge waren rund um die Al-Aksa-Moschee rund 3000 Beamte stationiert – dreimal so viel wie normalerweise. Das Areal rund um die Moschee, das die Juden Tempelberg nennen, ist die drittheiligste Stätte des Islam und die heiligste im Judentum.

Dritte Intifada?

Der Tempelberg war am Donnerstag abgeriegelt worden, nachdem der jüdische Ultranationalist Jehuda Glick in Jerusalem angeschossen und der mutmassliche palästinensische Schütze von der Polizei getötet worden war. In der Folge gab es Zusammenstösse, die an den Beginn der zweiten Intifada erinnerten.

Glick hatte vor dem Attentat einen Vortrag über jüdische Ansprüche auf den Tempelberg gehalten. Sein Zustand war am Freitag weiter ernst. Zwar sei eine leichte Verbesserung zu erkennen, Glick schwebe aber weiter in Lebensgefahr, hiess es.

Der mutmassliche palästinensische Attentäter, Muatas Hidschasi, der bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet worden war, wurde inzwischen beerdigt. Zwischenfälle gab es dabei nicht.

Seit Wochen wachsen die Spannungen in Ostjerusalem, das nach dem Willen der Palästinenser einmal Hauptstadt eines eigenen Staates werden soll. Angeheizt wurde die Stimmung durch den Ausbau jüdischer Siedlungen dort durch Israel und den jüngsten Krieg im Gazastreifen. (sda)