Freikirchliche Jugendverbände zu fromm für Subventionen

Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat die Förderungsanträge von siebzehn evangelikal oder freikirchlich geprägten Jugendverbänden abgelehnt. Einige von ihnen legen jetzt Beschwerde ein.

Zeltlager eines Jugendverbands
Das Highlight jedes Jugendverbandes: das Lager. (Bild: Wikimedia/ Jörg Wiesehöfer)

Rund 670 000 Franken werden 2014 in den Kassen fehlen. Betroffene sind zum Beispiel die Vereinigten Bibelgruppen, aber auch Jugendorganisationen der Heilsarmee, der Mennoniten oder der Evangelisch-methodistischen Kirche. Anders als in den vergangenen Jahren haben sie vom BSV auf ihren Förderungsantrag einen negativen Bescheid erhalten. Darin heisst es: «Zweck Ihrer Organisation ist nicht die auf den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen basierende Förderung gemäss des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes (KJFG). Sie stellen Ihre Glaubenspraxis, die religiöse Unterweisung und die Verbreitung Ihrer Glaubensgrundlagen ins Zentrum. Ihre Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist Mittel zu diesem übergeordneten Organisationszweck.»

«Alle betroffenen Verbände sind irritiert», sagt Andi Bachmann, Jugendbeauftragter der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA). Ihm erscheint die Auswahl «willkürlich». Auch diese Organisationen hätten das Ziel, «junge Menschen ganzheitlich zu fördern, und nicht als Mittel zum Zweck».

«Keine Gesinnungsprüfung»

Eveline Zurbriggen, Bereichsleiterin für Kinder- und Jugendfragen am BSV, weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Von Willkür könne keine Rede sein. 2013 hätten sich die Kriterien geändert, die betroffenen Organisationen seien informiert worden. 2014 seien dann alle glaubensbasierten Organisationen einer Stichprobenprüfung unterzogen worden. Dabei sei nicht die Gesinnung geprüft worden, sondern die «Zweckerfüllung nach KFJG». Etliche andere glaubensbasierte Organisationen erhielten auch 2014 Fördergelder. Tatsächlich finden sich auf der Liste der rund 70 geförderten Organisationen auch der Cevi oder die katholische Jungwacht Blauring.

Für die betroffenen Organisationen sind die Begründungen des BSV nicht stichhaltig. Sieben von ihnen haben jetzt Bachmann beauftragt, eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht zu koordinieren. «Wir hoffen sehr, dass der Entscheid korrigiert wird», sagt Bachmann. «In diesen Verbänden wird ganz wertvolle Arbeit geleistet.»

Der Artikel erschien erstmals in der Reformierten Presse vom 17. Oktober 2014.