Freikirchen dürfen neu Armee­seelsorger entsenden

Nach einem längeren Dialogprozess hat der Verband Freikirchen Schweiz eine Vereinbarung mit der Schweizer Armee unterzeichnet. Darin bekennt er sich zu Grundlagen und Arbeitsweise der Armeeseelsorge.

Der Verband Freikirchen Schweiz und sein welsches Pendant Réseau évangelique suisse dürfen künftig eigene Seelsorger in die Schweizer Armee entsenden. Das geht aus einer Medienmitteilung der Armee vom 2. November hervor. Demnach haben die Dachverbände eine Vereinbarung unterzeichnet, in der sie sich zu den Grundsätzen der Armeeselsorge bekennen.

«Eine Armee für alle»

Wie Stefan Junger, Chef der Armeeseelsorge, gegenüber ref.ch erläutert, gehört dazu insbesondere der offene und nicht urteilende Umgang mit den Soldatinnen und Soldaten. «Wir sind eine Armee für alle, unabhängig von Geschlecht, Religion, Herkunft oder sexueller Ausrichtung. Wer das nicht voll und ganz unterschreiben kann, ist bei uns am falschen Ort.» Dies gelte auch für Angehörige der Armeeseelsorge, die primär im Auftrag der Armee stünden. Die eigene Konfession und allenfalls damit verbundene Wertvorstellungen müssten hinter diesen Auftrag zurücktreten.

Historisch bedingt waren es bisher nur die reformierten, römisch-katholischen und christkatholischen Kirchen, die Leute entsandten. Die Armee habe aber schon länger erkannt, dass die Gesellschaft in religiöser Hinsicht breiter gefächert sei. Aus diesem Grund habe man beschlossen, die Seelsorge zu öffnen.

Weitere Öffnung möglich

Dem sei einerseits ein längerer Prozess in der Armee selbst vorausgegangen; andererseits aber auch ein intensiver Dialog mit den Freikirchen, sagt Junger. Weiter sei man im Austausch mit anderen Religionsgemeinschaften, «die vielleicht dereinst eine Partnerschaft eingehen werden», heisst es dazu in der Medienmitteilung.

Derzeit hat die Armeeseelsorge einen Sollbestand von knapp 170 Leuten. (vbu)