Freiburg: Kleines Museum – neu ganz gross

Das «Bibel und Orient»-Museum in Freiburg vervierfacht seine Fläche und wird am Montag, 20. Oktober, in Anwesenheit von Bundesrätin Simonetta Sommaruga neu eröffnet. Museumsgründer Othmar Keel bezeichnet dies als eine «grosse Ehre und Anerkennung für ein doch sehr kleines Museum».

Wird viermal grösser als bisher: das «Bibel und Orient»-Museum in Freiburg. Bild: Screenshot bible-orient-museum.ch

Bisher verteilte sich das Museum über einige Vitrinen in den Gängen der Universität Freiburg. Zudem war ein Raum in der Hochschule für die Ausstellung reserviert, erklärte Sammlungsleiter Leonardo Pajarola auf Anfrage. Nun erhält das Museum in der Hochschule neue Räume, in der 17 Vitrinen ausgestellt werden. Zur Eröffnung kommt neben der Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, Simonetta Sommaruga, auch der Freiburger Staatsrat Jean-Pierre Siggen.

Museumsgründer ist der emeritierte Freiburger Bibel- und Religionswissenschaftler sowie Ägyptologe Othmar Keel. Die grosse Ehre hänge wohl damit zusammen, dass das Museum einen ganz spezifischen Beitrag zur Integrationsproblematik leiste, erklärte er gegenüber der Presseagentur Kipa. Mit dieser Problematik beschäftige sich die Gesellschaft und Politik heute intensiv.

Bundesrätin Sommaruga kenne die Problematik als Justizministerin bestens. Sie werde oft als «Migrationsministerin» bezeichnet, da kein Amt des Departements so viel zu reden gebe wie jenes für Migration, so Keel.

Früher Katholiken und Protestanten – heute Muslime

Früher barg das Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten und das zwischen Christen und Juden viel Zündstoff. Seit den 1950er Jahren trete diese Auseinandersetzung zunehmend in den Hintergrund. Heute finde sie zwischen Christentum und Islam statt, wie etwa der „hochemotionale Streit“ um das geplante „Zentrum für Islam und Gesellschaft» an der Universität Freiburg zeige.

Das neue Museum betone nun die «engen Zusammenhänge zwischen den drei monotheistischen Schriftreligionen», also Juden, Christen und Muslime. Die Verbindungen seien viel grundlegender als die Unterschiede, betonte Keel. Aber die Thematik des Museums reiche weiter.

Die Sammlung «Bibel und Orient» umfasst heute rund 15 000 Objekte. Es handelt sich meistens um Miniaturobjekte wie Münzen, Amulette, Rollsiegel. Die Skarabäensammlung des Museums ist die drittgrösste der Welt und umfasst etwa 6 600 Amulette, die den von den Ägyptern verehrte Pillendreher-Käfer darstellen.

Nicht zu stark ins Detail

Von diesen Miniaturobjekten, die hauptsächlich zu Forschungs- und Studienzwecken erworben wurden, werden im neuen Museum jedoch nur verhältnismässig wenige gezeigt. Die grosse Detail-Vielfalt könnte ein «grösseres Publikum schnell ermüden», meinte Museumsgründer Keel. Die Ausstellung wird rund 400 grössere Objekte umfassen, darunter Keramikgefässe, Manuskripte, Figuren, Reliefs, Sarkophagfragmente und ähnliches.

Zu den ältesten Objekten, die ausgestellt werden, gehören drei Faustkeile, die rund 500.000 Jahre alt sind. Sie wurden dem Museum aus Ausgrabungen in Syrien geschenkt und stammen vom Homo erectus oder habilis. Die nächst ältesten sind neolithisch, das heisst jungsteinzeitlich. Die Jungsteinzeit dauerte in Palästina von rund 9000 bis 6000 v. Chr. Viele ausgestellte Objekte sind ins 1. Jahrtausend v. Chr. zu datieren. Einige Tora- und Koran-Handschriften dagegen sind neuzeitlich.

Kein potentieller Sponsor in Sicht

Die Stiftung und der Verein «Bibel und Orient» sind sehr froh, dass die Universität Freiburg «trotz akuten Platzmangels» diese neuen Räume zur Verfügung stellt. Der ideale Standort wäre nach Ansicht von Keel der mittelalterliche Thierryturm (Tour Henri) beim Bahnhof. Die Idee wurde 1999 vom damaligen Erziehungsdirektor Augustin Macheret lanciert. Aber Umbau und Ausstattung des Gebäudes, das unter Denkmalschutz steht, würden 25 bis 30 Millionen Franken kosten, erklärte Keel. «Seitdem Herr Adolphe Merkle als Physiker und Wirtschaftsfachmann seine 120 Millionen in das Nanontechnologische Institut investiert hat, sehe ich zurzeit keinen potenziellen Sponsor.»

Trennendes und Gemeinsames

Das Besondere am Museum besteht gemäss den Worten des Museumsgründers darin, dass es nicht nur die engen Zusammenhänge zwischen den drei monotheistischen Schriftreligionen thematisiert, sondern darüber hinaus aufzeigt, wie diese Gemeinschaften «zwar rabiat gegen jede Art von naturnaher, polytheistischer Religion und jede Art von Heidentum» vorgingen, gleichzeitig aber viele Bilder, Symbole, Feste und Heiligtümer übernahmen. Zu den bekämpften Gemeinschaften gehörten die mesopotamischen, kanaanäischen, ägyptischen und auch griechisch-römischen.

Das Wichtigste am «Bibel und Orient»-Museum ist darum aus der Sicht von Keel das «Und, das Plus». Denn die Betonung des Gemeinsamen fördere den Frieden. Die Akzentuierung der Unterschiede führe oft zu Streit oder sogar zu Krieg, wie der heutige Nahe Osten dramatisch zeige. (kipa)

 

Die Neueröffnung des Museums in Anwesenheit von Bundesrätin Sommaruga am Montag, 20. Oktober, in der Universität Freiburg, Misericorde, um 18.15 Uhr ist öffentlich.

Das Museum «Bibel und Orient» im Internet