Nach einer Analyse des Themas durch zwei Gastreferentinnen hatten die rund 50 Delegierten Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und Projekte ihrer Kolleginnen kennenzulernen. Dies schreibt der SEK in einer Mitteilung.
Personen, die sich um betagte Angehörige kümmern, müssen oft rund um die Uhr verfügbar sein, so die erste Referentin Pasqualina Perrig-Chiello, Professorin für Psychologie an der Universität Bern. In den meisten Fällen handle es sich dabei um Frauen, unterstrich Regine Munz, Privatdozentin für systematische Theologie an der Universität Basel und Psychiatrieseelsorgerin, im nachfolgenden Referat.
Gemäss einer Studie von Perrig-Chiello und François Höpflinger aus dem Jahr 2012 leistet eine Person, die ihren Partner oder ihre Partnerin zu Hause pflegt, rund 60 Stunden Pflegearbeit pro Woche. Bei einem Kind, das einen Elternteil betreut, sind es zwischen 20 und 30 Stunden. Diese unbezahlten Pflegenden finden nur selten jemanden, der sie bei Bedarf ablöst. In der Regel sind es die verheirateten Söhne, die darauf zählen können, dass ihre Frauen sie dabei unterstützen.
Die pflegenden Angehörigen gehen damit das Risiko einer Überforderung oder sogar einer Depression ein. Dies trifft insbesondere auf die «Sandwich-Generation» zwischen 40 und 60 Jahren zu, die sich um ihre Eltern und gleichzeitig um ihre Kinder kümmere, so Perrig-Chiello. Und das Problem werde sich zuspitzen, da die Schweiz weltweit die höchste Lebenserwartung habe und die Menschen so lange wie möglich zu Hause leben möchten.
Hilfe aus Osteuropa
Angesichts der Überbeanspruchung pflegender Angehöriger ziehen immer mehr Schweizer Familien private Pflegehilfen hinzu. Bei diesen Hilfen handelt es sich oft um Frauen aus osteuropäischen Ländern, die bereit sind, zu Bedingungen zu arbeiten, die weit unter dem schweizerischen Durchschnitt liegen und an Ausbeutung grenzen.
Sowohl diese Missstände wie auch die Überforderung von Personen, die einen Angehörigen pflegen, sind problematisch und müssen von der Kirche thematisiert werden, waren sich die Konferenzteilnehmerinnen einig. Konkret könnten die Pools von freiwilligen Kirchgemeindemitgliedern, die einen pflegenden Angehörigen während einiger Stunden ablösen, vergrössert werden. Alternativprojekte fürs hohe Alter, wie beispielsweise das Leben in einer Gemeinschaft, die den Anspruch auf ein Privatleben und auf eine Pflege respektiert, seien ebenfalls zu fördern.
Die 1999 gegründete Frauenkonferenz setzt sich aus 45 Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen zusammen. Vertreten sind auch die Evangelischen Frauen Schweiz EFS und die IG feministischer Theologinnen. Die nächste Frauenkonferenz findet am 27. Oktober 2014 in Bern statt.