Die Gegner und Befürworter schenkten sich in der grossrätlichen Debatte nichts. Beide Seiten verwiesen auf die vielen Opfer religiöser Kriege überall auf der Welt. Die Ratslinke verteidigte das geplante Zentrum und beschwor den interreligiösen Dialog. Die CVP war gespalten: Einige Grossräte liessen durchblicken, sie fühlten sich vor vollendete Tatsachen gestellt und trauten den langfristigen Zielen des Zentrums nicht so ganz über den Weg.
Die Unterzeichner des Vorstosses aus den Reihen der SVP, der CVP und der FDP vermuten, dass das neue Zentrum der erste Schritt sein könnte hin zu einer Koranschule. Sie befürchten auch, dass die theologische Fakultät an katholischer Prägung verliert.
Keine Koranschule geplant
Es gehe nicht darum, eine Koranschule aufzubauen, betonte Staatsrat Jean-Pierre Siggen. Vielmehr wolle das Zentrum Kenntnisse vermitteln, damit sich Imame und andere Bezugspersonen für muslimische Gemeinschaften besser integrieren könnten. Dies durch die Vermittlung des Rechts und der Geschichte der Schweiz sowie pädagogischer Kompetenzen.
Das Zentrum solle im Weiteren auch Personen Wissen vermitteln, die aus beruflichen Gründen mit Muslimen im Kontakt stehen: Angestellten von Sozialdiensten, Krankenhausseelsorgern, Lehrkräften, Polizisten usw. Drittens werde es auch dazu beitragen, einen wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden.
Die zehn Grossräte scheiterten am Mittwoch mit dem parlamentarischen Vorstoss nur knapp. Das qualifizierte Mehr lag bei 56 Stimmen. Für den Vorstoss stimmten 52 Grossratsmitglieder, 38 waren dagegen, zwei enthielten sich. (sda)