Filmtipp: «Petite Maman»

Die Reise der achtjährigen Nelly zum Haus ihrer verstorbenen Grossmutter wird zu einer Reise in die Vergangenheit ihrer Mutter und in die eigene Zukunft als Frau.

Nellys Grossmutter ist gestorben. Die Achtjährige will deren Gehstock als Andenken behalten. Gemeinsam räumen Nelly und ihre Mutter Marion das Haus der Grossmutter. Nelly findet die Schulhefte ihrer Mutter und längst vergessenes Spielzeug. Sie taucht immer tiefer in die Kindheitserinnerungen ihrer Mutter ein.

Abends im Bett wartet Nelly auf den Schatten-Puma, vor dem Marion beim Einschlafen Angst hatte. Im Wald hinter dem Haus sucht sie die Hütte, von der ihre Mutter schon oft erzählt hat – und findet sie!

Ein Mädchen im gleichen Alter, Nelly zum Verwechseln ähnlich, baut an der Hütte weiter. Die Mädchen freunden sich an. Und Nelly wird bald klar, dass das Mädchen nicht nur den gleichen Namen trägt wie ihre Mutter, sondern ihre Mutter ist oder besser war.

Céline Schiamma wagt mit dieser Zeitschleife ein kühnes Experiment, das perfekt gelingt. Sie folgt damit der Sehnsucht, seinen Eltern näherzukommen, in ihre Zeit zu reisen, um sie jenseits ihrer Rolle als Mutter und Vater als Menschen kennenzulernen. Sich mit ihnen anzufreunden, mit ihnen Pfannkuchen zu backen und Schokoladenmilch zu trinken und dabei vielleicht auch etwas über sich selbst zu erfahren.

«Petite Maman» zieht eine Linie von der Tochter zur Mutter und zur Grossmutter, die immer weiter zu einer weiblichen Verbundenheit über die Zeit hinausführt.

«Petite Maman», Frankreich 2021, Regie: Céline Sciamma, Besetzung: Joséphine Sanz; Gabrielle Sanz; Nina Meurisse; Verleih: Cineworx Internet.

Seit 4. November im Kino.