Filmtipp: «A White, White Day»

Der neue Film des isländischen Regisseurs Hlynur Pálmason führt die Zuschauer gleichermassen durch die gewaltige Natur Islands wie in die Abgründe des Protagonisten, eines pensionierten Polizisten, der um seine Frau trauert.

An Tagen, an denen alles weiss ist und keine Trennung zwischen Erde und Himmel mehr zu sehen, können Tote mit den Lebenden sprechen. So besagt es ein alter isländischer Glaube.

Ingimundur, ein ehemaliger Polizist in der Provinz Islands hat seine Frau vor zwei Jahren durch einen Autounfall verloren. Mühsam hält sich Ingimundur mit der Fürsorge für seine Enkelin und der Renovation eines Hauses über Wasser. Als er in den Unterlagen seiner Frau auf Hinweise stösst, dass diese eine Affäre hatte, schlägt seine Griesgrämigkeit in Verbitterung um, seine Verstörung in Aggression. Sein Verdacht wird immer mehr zur Obsession.

Der Isländer Hlynur Pálmason legt mit A White, White Day einen Film vor, der zweitweise schwer zu ertragen ist, in einzelnen Sequenzen Geduld erfordert, aber immer spannend und herausfordernd bleibt. Es ist berührend, mitzuerleben, wie Ingimundur zusammen mit seiner Enkelin in einer Art Wiedergeburt im Tunnel zum Schreien findet, wie er in Kontakt mit seiner verstorbenen Frau kommt und zu weinen lernt.

Ein Film für Menschen, die bereit sind, die Entwicklung eines Protagonisten ins Abgründige und zurück in tragende Beziehungen mitzuerleben. Für solche, die sich davon faszinieren lassen, wie die gewaltige Natur Islands und das Innenleben eines Menschen korrespondieren können und die sich in isländische Nebellandschaften zu begeben wagen.

 

A White, White Day (Hvítur, Hvítur Dagur): Island/Schweden/Dänemark 2019; Regie: Hlynur Pálmason; Besetzung: Ingvar E. Sigurðsson, Ída Mekkín Hlynsdóttir, Hilmir Snær Guðnason; Verleih: Xenix Filmdistribution.

Kinostart: 21. November