Der Bundestag hat am Freitagmorgen in Berlin mit einer deutlichen Mehrheit die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare beschlossen. Bei 623 abgegebenen Stimmen sprach sich eine Mehrheit von 393 Abgeordneten für die rechtliche Gleichstellung aus. SPD und Opposition setzten sich damit gegen die Union durch.
Die beiden grossen Kirchen in Deutschland reagierten unterschiedlich auf die Bundestagsentscheidung, wie evangelisch.de berichtet. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Heinrich Bedford-Strohm begrüsste den Entscheid auf seiner Facebook-Seite mit den Worten: «Ich wünsche mir, dass jetzt weder Triumphgefühle auf der einen Seite noch Bitterkeit auf der anderen Seite den Ton angeben. Sondern ein neues Bewusstsein für das wunderbare Angebot der Ehe, in lebenslanger Treue und Verbindlichkeit miteinander leben zu dürfen.»
Keine Schmälerung der Ehe
Die EKD hatte bereits einen Tag vor der Abstimmung eine Stellungnahme publiziert, in der sie sich klar für die Ehe für alle aussprach. Darin heisst es: «Dass auch für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben, der rechtliche Raum vollständig geöffnet wird, in dem Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung durch gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden, begrüsst die EKD. Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch keineswegs geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen.»
Anders als die EKD äusserte sich die katholische Kirche kritisch zu dem Entscheid. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch, Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, bedauerte, dass der Gesetzgeber «wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben hat, um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen.» Dies komme einer «Verwässerung» des klassischen Ehebegriffs gleich.