Lewitscharoff sagte am Dienstagabend in Berlin, der Sonntag verkomme mehr und mehr zu einem reinen Urlaubs- und Kaffeefahrtentag. «Auch ich kann mich nur selten dazu entschliessen, an diesem besonderen Tag einem Gottesdienst beizuwohnen, weil mir in aller Regel die Predigt derart banal vorkommt, dass ich die Kirche missmutiger verlasse, als ich in den gottgeweihten Raum eingetreten bin», erklärte die 60-Jährige.
Die Autorin warnte in ihrem Vortrag zum dritten Gebot «Du sollst den Feiertag heiligen» allerdings davor, die Bindung an die Gemeinde zu verlieren, wenn man nicht zum Gottesdienst in die Kirche gehe. Die Gemeindebindung befreie von einer zu sehr ins Private driftenden Gottesanbetung. Ebenso könne sie «als Korrektur dienen vor der allzu krausen Selbstauslegung, die eine Religion nach eigenem Wohnzimmermass ausstaffiert».
In einer Diskussion meinte Lewitscharoff anschliessend, sie vermisse bei Pfarrern Schärfe und dass die «Furcht vor dem Herrn» besonders in der protestantischen Kirche abhanden gekommen sei. «Es ist so etwas wie der Kindergottesdienst auf die Erwachsenen gekommen», sagte die bekennende Protestantin. Damit wiederholte die Autorin ihre Kritik an modernen Gottesdiensten. Im Februar hatte die Büchner-Preisträgerin moderne Sprache in Gottesdiensten als «neumodisches Gewaber» bezeichnet.