Diskussion über Sterbehilfe in Grossbritannien

Die anglikanische Staatskirche in England fordert die Einsetzung einer «Königlichen Kommission» zur aktiven Sterbehilfe in Grossbritannien. Unterdessen mehren sich kirchliche Stimmen, die sich für eine Zulassung der aktiven Sterbehilfe aussprechen.

Eine Seelsorgerin hält die Hand einer Patientin.
(Bild Reformierte Medien)

Am kommenden Freitag debattiert das Oberhaus in London über einen Gesetzesentwurf von Charles Falconer zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe. Die Regelung würde Ärzten erlauben, Schwerstkranken Medikamente zu verschreiben, mit denen sie ihrem Leben ein Ende setzen können. Als Voraussetzung sieht Falconers Entwurf vor, dass die Betroffenen eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben und ihre Lebenserwartung weniger als sechs Monate beträgt.

Ein Sprecher der anglikanischen Kirche für Gesundheitsfragen im Oberhaus erklärte, er hoffe, dass Falconers Entwurf zurückgezogen werde. Von einer durch die Regierung einzusetzenden «Königlichen Kommission» könnten stattdessen alle Argumente in dieser schwierigen Frage umfassender behandelt werden.

Der frühere anglikanische Primas, Erzbischof George Carey, unterstützte dagegen Falconers Initiative. Angesichts jüngster Fälle und «angetrieben von meinem Gewissen», schreibt der 78-Jährige in der «Daily Mail», habe er seine Haltung in dieser Frage geändert. Während seiner Amtszeit (1991-2002) war Carey ein strikter Gegner der aktiven Sterbehilfe. Der medizinische Fortschritt, der ein schnelles und schmerzloses Lebensende bewirken könne, führe ethisch an einen neuen Entscheidungspunkt. Bisher habe die Gesetzgebung mit diesen Entwicklungen nicht Schritt gehalten.

Die Lehre der Kirche über die Unantastbarkeit des Lebens, schreibt Carey, trage heute oft dazu bei, Ängste und Leiden zu verstärken – «entgegen der Intention der christlichen Botschaft». Viele Verantwortliche in der Kirche wüssten, dass die im Sterbeprozess eingesetzten Präparate einen schnelleren Tod herbeiführen könnten.

Unterdessen plädiert auch der südafrikanische emeritierte Erzbischof Desmond Tutu für die Legalisierung der Sterbehilfe. In der Zeitung «The Observer» verwies der 82-Jährige unter anderem auf das Sterben von Nelson Mandela Ende 2013. Die Behandlung der Ärzte in dessen letzten Tagen, so Tutu, habe «geradezu gnadenlos» gewirkt und Mandela seiner Würde beraubt.

Der Primas der Church of England, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, warnte dagegen nachdrücklich vor einer Zulassung der aktiven Sterbehilfe. Dies könnte viele schwer kranke und alte Menschen unter Druck setzen, für ihre Angehörigen und die Gesellschaft «keine Last» mehr sein zu wollen, schreibt er in der Tageszeitung «The Times». Die Synode der Anglikaner tagt derzeit in York.