Die Herausforderungen bei Kirchenumnutzungen

Kirchen sind spezielle Gebäude. Deshalb muss man auch sorgfältig und ganzheitlich mit diesen Gebäuden umgehen, wenn man sie umnutzen will. Dieses Fazit zieht der Initiant des ersten Schweizer Kirchenbautags nach einer Tagung in Bern.

Früher eine Methodistenkapelle in Bern, heute ein Wohnhaus. (Bild: zVg/morscher.ch)

Rund 150 Personen nahmen an diesem ganztägigen Anlass zum spezifischen Thema Kirchenumnutzungen an der Universität Bern teil. Der Initiant, Johannes Stückelberger, ist ein Kunsthistoriker, der an der theologischen Fakultät der Uni Bern tätig ist. Er sagt, wenn eine Kirche abgebrochen werden solle, beschäftige dies häufig auch Leute, die sonst nichts mit der Kirche am Hut hätten. Das sei an der Tagung wiederholt erwähnt worden. Der Grund dafür sei, dass Kirchen nicht einfach Vereinshäuser oder Versammlungsgebäude seien. Sie seien öffentliche Gebäude an öffentlichen Orten, prägten häufig das Stadtbild und seien auch geweihte Räume – alles Eigenschaften, welche Kirchen von profanen Gebäuden unterschieden. Es brauche deshalb bei Kirchenumnutzungen ein Herangehen aus unterschiedlicher Optik. In diesem Punkt seien sich die Tagungsteilnehmer einig gewesen und hätten sich für Kooperation statt Konfrontation ausgesprochen. Ein Fazit der Tagung sei auch gewesen, dass Kirchen wegen des speziellen Charakters der Gebäude auch nach der Umnutzung am besten weiterhin öffentlich genutzt werden sollten. Eine weitere Erkenntnis: Kirchen sollten schon heute vermehrt multifunktional genutzt werden – im Sinn des Winterthurer «Kulturkirche»-Projekts. Gemeint ist, dass in einer Kirche weiterhin Gottesdienste stattfinden können, aber das Gebäude beispielsweise eben vermehrt weiteren, etwa kulturellen Zwecken dient. Und noch ein Fazit: Kleinere Gemeinschaften wie etwa Methodisten oder Neuapostoliker verkaufen etwa ihre Kapellen viel eher als die grossen Landeskirchen. Stückelbergers Erklärung: Diese Gemeinschaften stehen weniger in der Öffentlichkeit.

Umnutzungen haben stark zugenommen

Mit Blick auf die Tagung hat Stückelberger zusammen mit Studierenden auch versucht, einen Überblick über Kirchenverkäufe, -abrisse und -umnutzungen in der Schweiz zu erhalten. Das Fazit hierzu: Nutzungsänderungen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Und es handelt sich nicht mehr nur um ein städtisches Phänomen. Eine genaue Zahl kann Stückelberger nicht nennen. In einer kleinen Ausstellung am Freitag in Bern hat er aber rund 30 Beispiele präsentiert. Von einem einzigen Kirchenabriss hat er Kenntnis, in Genf, dazu von einigen Verkäufen und etlichen Umnutzungen. Gezeigt hat er etwa das Beispiel einer Marianisten-Kapelle in Freiburg, welche heute von der Uni als Studier- und Arbeitsraum genutzt wird. Doppelt so viele Leute wie erwartet nahmen an der Tagung teil – aus der Denkmalpflege, der Architektur, aus kirchlichen Kreisen und der Universität. Stückelberger will den Kirchenbautag weiterführen. Mehrere Institutionen unterstützten die Tagung, so etwa Kirchen und das Bundesamt für Kultur. (sda)