Die Auferstehung nach Aldi

Der deutsche Lebensmitteldiscounter Aldi Süd erklärt in einer Broschüre den Ursprung von Ostern. «Toll gemacht», findet ein Theologe. Für Schweizer Grossverteiler ist Entsprechendes vorerst kein Thema.

Aldi Süd bringt seinen Kunden die Bedeutung der Tage von Palm- bis Ostersonntag nahe. Im Bild: Ausschnitt aus der Online-Broschüre. (Bild: Raphael Kummer)

«An Ostern feiern Christen auf der ganzen Welt die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Es ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche – sogar noch wichtiger als das Weihnachtsfest», schreibt Aldi Süd in der Einleitung ihrer Osterbroschüre. Unter dem Titel «Ostern einfach erklärt – Warum feiern wir eigentlich Ostern?» wird Kindern auf 16 Seiten das Osterfest nahegebracht. Der Lebensmitteldiscounter erläutert neben Basteltipps, Rätseln und Backrezepten in kurzen Texten Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag.

«Exegetisch finde ich nichts Falsches», sagt Matthias Krieg, Leiter der Stabsstelle Theologie bei den gesamtkirchlichen Diensten der reformierten Kirche Zürich, bei einem Blick in das Heft. Klar, man könne alles präziser und differenzierter machen, aber für das Zielpublikum sei es toll gemacht. Spannend sei die Frage, warum Aldi das mache.

Nur positive Rückmeldungen

Man wolle den Kleinen die Wartezeit auf den Osterhasen versüssen, heisst es auf Anfrage bei Aldi Süd. «Dazu gehört für uns auch, den Kindern den Ursprung des Osterfestes zu erklären», so Nastaran Amirhaji von der Kommunikationsabteilung. Um den Inhalt habe sich das Marketingteam von Aldi Süd gekümmert. Dafür sei das Thema Ostern ausführlich recherchiert und kindgerecht aufgearbeitet worden. «Bisher haben wir von den Kunden nur positive Rückmeldungen erhalten.» Das Ostermagazin sei in diesem Jahr zum ersten Mal erschienen. Ein analoges Heft habe Aldi Süd letztes Jahr zu Weihnachten herausgegeben. Noch unklar ist, ob weitere Broschüren und auch solche über Feiertage anderer Religionen geplant sind.

Sujets wieder sexy

Für Matthias Krieg zeigt die Broschüre noch etwas ganz anderes: «Sie ist ein schönes Beispiel für Deinstitutionalisierung.» Bis vor 20 Jahren sei derlei die Domäne der Kirche gewesen. «Sie hatte das Monopol darauf, und das respektierte man.» In der Postmoderne seien die ehemals monopolisierten Sujets frei und jeder könne sich ihrer bedienen. «Deinstitutionalisiert sind sie wieder sexy», so Krieg.

Für Schweizer Grossverteiler kein Thema

Für Aldi Suisse ist eine Publikation der Broschüre auf ihrer Website kein Thema. Die Medienstelle verweist an den Kundendienst. Man sei in dieser Beziehung unabhängig von Aldi Süd, heisst es dort lediglich. Auch die Migros winkt auf Anfrage ab, ob explizit christlicher Inhalt in ihren Druckschriften denkbar wäre. Die Migros wolle ein Anbieter für alle sein, unabhängig der Religionszugehörigkeit, so Mediensprecherin Martina Bosshard. Man setze mehr auf Kommerzielles, mache vor Weihnachten beispielsweise Solidarität zum Thema und lanciere eine Spendenaktion für Hilfswerke. Coop hat bis Redaktionsschluss nicht Stellung genommen.

 

Zur Osterbroschüre von Aldi Süd