Einmal im Jahr wechselt Pfarrer und Kirchenratspräsident Christoph Weber absichtlich die Perspektive, damit er die Welt nicht nur vom Büro oder Sitzungszimmer sehe. Dieses Jahr ging er einen Tag lang mit der Grünabfuhr auf Tour. «Auf dem Trittbrett hat man Gelegenheit, darüber nachzudenken, wer wohl ganze Brote oder original verpacktes Gemüse, Bierbüchsen, Schnapsflaschen oder Plastik-Blumentöpfe in den Grüncontainer wirft», schreibt Weber dazu in einem Blog.
Wer auf dem Lastwagentrittbrett mitfahre, sei Soziologe und Psychologe, manchmal sogar Philosoph. Jedenfalls studiere man Menschen aufmerksam und doch mit einer gewissen Distanz: «Wie sie mit dem Hochdruckreiniger einen längst sauberen Vorplatz abdampfen, den Rasen mit Hightech-Geräten bearbeiten, Autos polieren oder einfach auf den Bus warten», so Weber.
Der Tag auf dem Sammelwagen habe seinen Respekt vor den Männern auf dem Abfall-Lastwagen wachsen lassen. «Es wurde mir klar, dass es kleine Zufälle im Leben eines Menschen sein können, die darüber entscheiden, ob einer Pfarrer wird oder Müllmann», räsoniert der Kirchenratspräsident. Den Vertrag, den ihm der Betriebsleiter am Abend angeboten habe, habe er dann doch nicht unterschrieben: «Zu gern bin ich Kirchenratspräsident.»
Zum Blog von Christoph Weber