Die Aktion «Der blinde Luther» sei für die Erfurter Stadtverwaltung eine «Verletzung der Würde Martin Luthers», teilte am 6. November der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, Pfarrer Ricklef Münnich mit. Nach dessen Angaben sollte am kommenden Dienstag das Standbild auf dem Anger eine Augenbinde bekommen, eine goldene Schärpe, um an Luthers 532. Geburtstag auf dessen «Blindheit» gegenüber Juden hinzuweisen.
Die Blindheit Luthers
«Luther konnte und wollte nicht sehen, wie Juden sich verstehen, er weigerte sich sogar, mit ihnen zu reden, und hat sie auf das Unflätigste beschimpft», sagte Münnich. Die Nazis hätten sich darauf berufen. Der Beauftragte der mitteldeutschen Kirche für den christlich-jüdischen Dialog, der Pfarrer Teja Begrich, hatte das Vorhaben «Der blinde Luther» in einem Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit» ausdrücklich begrüsst und den Vorwurf von Denkmalstürmerei zurückgewiesen. Man müsse sich heute «auch der dunklen Seite Luthers stellen», sagte Begrich der Zeitung.