Vorgestern bin ich ins Kloster eingetreten. Ich kriegte, so wie es sich für einen Novizen gehört, erstmals eine Zelle im Gästehaus. Als ich mit meinem Rollkoffer durch den Kreuzgang marschierte, kreuzte ein Mann meinen Weg, der nun nicht gerade aussah wie ein Augustinermönch. Er trug Jeans statt Kutte, und hantierte nicht mit dem Rosenkranz, sondern mit dem Smartphone.
Ob ich denn ins Web reinkomme, fragte er mich auf Englisch, er hätte zwar das Passwort (Augustinus), aber einloggen könne er sich nicht. Ich konnte ihm nicht helfen. Als Novize weiss man ja noch nicht, was bei den Augustiner-Eremiten hier in Erfurt 2014 so zum Service-Standard gehört. Angekommen in meiner Zelle schlug mein Login-Versuch ebenfalls fehl. Und so verbrachte ich die nächsten 15 Stunden wieder einmal offline.
Der Verzicht aufs Web sollte dann aber die einzige Entbehrung im Kloster bleiben, die ich erleiden musste. Ein gewisser Mönch aus Eisleben mutete sich in diesen Gemäuern vor 500 Jahren einiges mehr an Verzicht und Entbehrungen zu – und veränderte damit die Welt.
Ich trat am nächsten Morgen hingegen gut ausgeschlafen und mit einem üppigen Frühstück im Bauch wieder aus dem Kloster aus, gab meinen Schlüssel an der Rezeption wieder ab und überlegte mir, wie und wo ich in Erfurt am besten online gehen könnte. So verändert man die Welt natürlich eher wenig.
Hier gehts zum Kloster: www.augustinerkloster.de
Hintergrund der Reise
Hier gehts zum vorherigen Beitrag.