Darf man Jesus am Kreuz hochnehmen?

Steiler Einstieg für den Basler Neutestamentler Moisés Mayordomo: Er wagt sich an die theologische Erklärung des Kultfilms «Monty Python‘s Life of Brian» und erläutert das Gespann Christentum und Humor.

Darf man das? Absurde Darstellung eines absurden Todes. Szene aus dem Film «Life of Brian»er der britischen Komikergruppe Monty Python aus dem Jahr 1979. (Bild: Screenshot Life of Brian)

«Was, du schaust Life of Brian?» – diese Frage wurde der Schreiberin dieses Artikels von ihrem agnostischen Bruder gestellt. Sie wird an dieser Stelle zitiert, weil sie in gewisser Hinsicht entlarvend für eine in weiten Teilen der Gesellschaft gehegte Ansicht ist: Christinnen und Christen haben keinen Humor. Zumindest was ihren Glauben angeht.

Humorloses Christentum

Dass dem nicht so ist, bewies der vor kurzem auf den Basler Lehrstuhl für Neues Testament berufene Moisés Mayordomo vergangene Woche in einer Veranstaltung der Landeskirchen der beiden Basel. Zwar ging es, wie es in der Ankündigung hiess, um eine «(ernsthafte) theologische Annäherung an ‹Monty Python’s Life of Brian›». Aber Ernsthaftigkeit und Humor schliessen einander nicht unbedingt aus. Und der Vorwurf der Humorlosigkeit an die Adresse des Christentums ist ja leider auch nicht ganz aus der Luft gegriffen, wie Mayordomo gleich zu Beginn feststellte. Vor allem die Christologie sei von «2000 Jahren Humorlosigkeit» geprägt. Das hänge mit der Zwei-Naturen-Lehre zusammen, um die in der Kirchengeschichte heftigst gestritten wurde: «Zu viel Gott oder zu viel Mensch, und man wurde aus der Kirche ausgeschlossen.»

Schwülstige Darstellungsformen von Gott

Auch die filmische Darstellung des Jesusstoffs schlägt sich mit diesem Problem von Gott und Mensch herum. Wie kann Göttlichkeit überhaupt im Film dargestellt werden? Bis in die 60er Jahre wurde das Problem so gelöst, dass Jesus übertrieben feierlich dargestellt wurde, mit gesetzten Bewegungen, salbungsvoller Sprache und einem perfekt getrimmten Bart. Diese schwülstigen Versuche wirken heute, so Mayordomo, «unfreiwillig komisch». Und schon für die britische Komikergruppe Monty Python waren sie der Aufhänger für ihre lustvolle Parodie.

Falsche Bärte als Indiz

Der Film will, so Mayordomo, einerseits den Schwulst dieser Jesusdarstellungen durch den Kakao ziehen. Ein Indiz dafür sind die künstlichen Bärte, die an zwei Stellen eine Rolle spielen und die so gar nichts mit der gepflegten Haartracht früherer Filme zu tun haben.

Zum anderen, und da wird es theologisch, ist der Film laut Mayordomo eine kritische Auseinandersetzung mit der «Macht der Masse», mit Ideologie jeglicher Couleur, mit Fanatismus und dogmatischem Starrsinn.

Diese Masse treibt die Handlung voran, nicht die Hauptfigur Brian, der Anti-Jesus schlechthin. Römische Besatzer, antirömische Widerstandsgruppen oder seine dominante Mutter bringen ihn immer wieder in absurde Konflikte, bis er schliesslich gegen seinen Willen zum Messias gekürt wird. Wie Jesus stirbt Brian dann am Kreuz. Der echte Jesus kommt dagegen nur am Rand vor.

In Norwegen verboten

Auch wenn man also gerechterweise nicht von einer Jesusparodie sprechen kann, stand der Blasphemievorwurf gegen den Film von Anfang an im Raum. Die erste Produktionsgesellschaft stieg aus dem Projekt aus, als sie das Drehbuch zu Gesicht bekam. In Norwegen war «Das Leben des Brian» lange Zeit verboten. Die Produktion fand in den USA statt, weil dort, anders als in Grossbritannien, der Meinungsfreiheit mehr Gewicht gegeben wurde. Dass der Film als blasphemisch empfunden werden könnte, nahmen die Monty Pythons in Kauf. Sie reagierten sogar schon im Film auf künftige Vorwürfe. Zum Beispiel in einer Szene, in der der für eine Steinigung verantwortliche Vollzugsbeamte selber gesteinigt wird, weil er den Namen Gottes (im Film «Jehova») ausspricht. Er muss ihn aber aussprechen, weil das Wort wesentlicher Bestandteil der Urteilsbegründung ist. Die Menge reagiert, ähnlich wie der Pawlowsche Hund, einzig auf den Akt des Aussprechens und ignoriert die Absicht, die dahintersteckt. Eben, so suggerieren die Komödianten, wie Menschen, die den Film pauschal der Blasphemie bezichtigen.

Am Ende: Geschmackssache

Natürlich ist der schwarze Humor der Monty Pythons Geschmacksache, das gab auch Mayordomo zu: «Man mag es, oder man mag es nicht.» Aber der Film hat, das zeigte der Abend, trotz allem Klamauk einiges theologisch Bedenkenswertes. Und der Abend zeigte einen Theologen, der es versteht, seinem Publikum Lust auf Theologie zu machen – beste Aussichten also für die Basler theologische Fakultät.

Marianne Weymann ist Chefredaktorin der Reformierten Presse und Pfarrerin.

Dieser Text erschien am 31. Oktober 2014 in der Reformierten Presse.