Zwar hatte sich der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, gegen einen EU-Austritt Grossbritanniens ausgesprochen. Ansonsten agierte die Kirche von England in der Debatte um den «Brexit» aber zurückhaltend, hatte lediglich ein offizielles aber neutrales Gebet veröffentlicht.
Welby hat angekündigt, am Donnerstag gegen den «Brexit» zu stimmen. Die Gemeinschaft der europäischen Staaten habe seit ihrer Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg die soziale Sicherheit und das menschliche Miteinander auf dem Kontinent gestärkt. Bei ihrer Entscheidung, ob das Königreich weiter Mitglied der Europäischen Union bleiben soll, sollten sich die Briten an dem Idealismus der Gründerväter der EU orientieren. «Jesus hat uns gelehrt, unsere Nachbarn zu lieben», erklärte Welby.
Das grosse Ganze betrachten
Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz in England und Wales, Kardinal Vincent Nichols, hatte bereits zum Beginn der Kampagnen rund um das Referendum gesagt, es gebe eine lange Tradition im Christentum und im Katholizismus «Dinge zusammenzuhalten». Der katholische Instinkt sei es, das grosse Ganze zu betrachten, deshalb sei er den Bemühungen um die EU sehr unterstützend eingestellt. Er warnte vor komplexen Problemen und anschliessenden Schwierigkeiten, Lösungen zu diesen Problemen zu finden, betonte jedoch, dass das seine persönliche Meinung sei und keine offizielle Kirchenposition.
Verlust der Souveränität ist «hart zu schlucken»
Der Bischof von Southwark und stellvertretende Vorsitzender der Bischofskonferenz, Peter Smith, hingegen hatte in einem Interview mit Radio Vatikan den Schatzkanzler George Osborne scharf kritisiert und ihm Panikmache vorgeworfen, was einen möglichen «Brexit» angeht. Der Kampf um einen Zusammenhalt zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten dürfe nicht der legitimen Souveränität der einzelnen Staaten zum Opfer fallen, sagte er. Der Verlust britischer Souveränität sei «hart zu schlucken». Er kritisierte auch die Einführung des Euros. Der Euro habe ärmeren Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien schwer geschadet. Er sei froh, dass sich Grossbritannien damals gegen den Euro entschieden habe. (epd)