Beschränkung der Religionsfreiheit nimmt weltweit zu

Wachsende Einschränkungen der Religionsfreiheit haben die beiden grossen Kirchen in Deutschland beklagt. Seit 2007 sei die Zahl der Länder mit Restriktionen gegen Angehörige von Religionsgemeinschaften von 147 auf 160 gestiegen, heisst es im ersten «Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit», der am 1. Juli in Berlin vorgestellt wurde.


Der Bericht, der zwischen staatlichen Massnahmen und Restriktionen durch nichtstaatliche soziale und religiöse Gruppen unterscheidet, wurde gemeinsam von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche (EKD) in Auftrag gegeben.

Nach Darstellung des Autors und Menschenrechtsexperten Theodor Rathgeber sind der Mittlere Osten und Nordafrika die am stärksten von staatlichen Restriktionen betroffene Region, gefolgt von der Region Asien-Pazifik. Unter den Opfern der Restriktionen befinden sich laut Bericht auch Sikhs, Juden, Hindus, Animisten, Angehörige traditioneller afrikanischer oder chinesischer Religionen sowie Minderheiten wie die Ahmadiyya oder die Zeugen Jehovas.

Europa bewegt sich im Mittelfeld; dafür verantwortlich ist die kritische Lage der Glaubensfreiheit in Ländern Osteuropas. Allerdings haben auch restriktive Massnahmen westeuropäischer Länder, etwa gegen den Minarett-Bau in der Schweiz, die Rangfolge negativ beeinflusst. Länder der Sub-Sahara sowie Nord- und Südamerika schneiden am besten ab.

In 131 Ländern wird öffentliches Bekenntnis eingeschränkt
Für 64 Länder listet die wissenschaftliche Studie grosse oder sehr grosse Einschränkungen der Religions- und Weltanschauungsfreiheit durch staatliches Handeln auf. Da sich darunter Länder mit hoher Bevölkerungszahl wie China, Indien und Russland befinden, unterlägen rund 70 Prozent der Weltbevölkerung einem starken Mass an Restriktionen. In 157 Ländern schränken Gesetze die Religionsfreiheit ein oder verwehren sie. In 131 Länder ist das öffentliche Bekenntnis staatlicherseits eingeschränkt. In 38 Ländern behindert der Staat einen freien Wechsel der Religionszugehörigkeit.

Christen wurden laut Studie in 111 Staaten bedrängt und verfolgt. In 95 Ländern schränkten staatliche Akteure ihre Religionsfreiheit ein, während soziale Anfeindungen durch Mobs, Gruppen oder Individuen in 77 Ländern ausgewiesen wurden. Besonders gefährlich ist es laut Studie für Christen, wenn sie als Minderheiten nicht traditionell ansässig sind. Häufig lauteten Vorwürfe, sie pflegten Kontakte zum Ausland und wollten eingewurzelte Traditionen verändern.