Bern, himmelblau: Ein Fest für die irdische Kirche

Der Himmel meinte es gut mit dem grossen Berner Kirchenfest vom vergangenen Wochenende: Unter einer spätsommerlichen Sonne strömten mehr als 14000 Menschen in die grüne Stadt an der Aare und feierten ein «Himmlisches Bern», wie die Veranstalter des Festes in einer Medienmitteilung bekanntgaben

Zurück in die Zukunft: Die Reformatoren Zwingli und Manuel.
Zurück in die Zukunft: Die Reformatoren Zwingli und Manuel begrüssen die Kirchenreform. (Bild: ref.ch/Susanne Leuenberger)

Geladen hatte die reformierten Kirchgemeinden der Stadt Bern, die den dreitägigen Grossanlass gemeinsam mit zugewandten Kirchen und Institutionen auf die Beine gestellt hatten. Ziel des schweizweit einmaligen Festes war, die Kirche und ihre vielfältigen Aufgaben und Engagements auf die Strasse zu bringen, und in allen ihren Facetten sichtbar zu machen. Dies sei, so das positive Fazit von Judith Pörksen Roder, Sprecherin des Organisationskommittees und Leiterin der reformierten Fachstelle Gemeindeleben, weitgehend gelungen.

Glockenspiel zum Auftakt

Den Auftakt bildete am Freitagabend das viertelstündige Glockenspiel aller Stadtberner Kirchen. Im Anschluss daran öffneten die Gotteshäuser ihre Türen für alle Interessierten und boten am Samstag ein buntes Programm an laut Veranstaltern gutbesuchten Workshops, Konzerten und Vorträgen. Gleichzeitig machten die Kirchen und zugewandte Institutionen auf den Strassen und Plätzen Berns mit Informationsständen, Konzerten und anderen Aktionen sichtbar, was sie alles in der Gesellschaft leisten.

Nicht nur eitel Sonnenschein: Die Kirche muss sparen

Sichtbarkeit tut not: So ist der Hintergrund des himmlischen Festes nicht nur heiter. Der Grossanlass ist Teil des vom grossen Kirchenrat beschlossenen Strukturdialogs. In dem rund zweijährigen Prozess soll die Gestalt der heute aus 12 Kirchgemeinden bestehenden Gesamtkirchgemeinde reformiert werden. Zur Sanierung der Finanzen wurde beschlossen, die Liegenschaftskosten der Gesamtkirchgemeinde zu halbieren. Das Fest sollte als öffentliches Hearing die Meinung der kirchennahen wie kirchenfernen Bevölkerung zu den bevorstehenden strukturellen Änderungen abfragen.

  • Diskutieren erwünscht.

Zu den Höhepunkten des Anlasses gehörte die grosse Arena-Diskussion «Himmlische Stadt-Irdische Kirche» am Freitagabend in der Französischen Kirche. Mehr als 450 Zuschauer verfolgten die Debatte unter der ebenso souveränen wie humorvollen Moderation von Sonja Hasler. Auf dem Podium diskutierten etwa die Berner Finanzdirektorin Beatrice Simon, Synodalratspräsident Andreas Zeller oder auch Pedro Lenz über die Zukunftsperspektiven der Berner Kirchen vor dem Hintergrund der bevorstehenden Sparmassnahmen.

«Gott ist kein Buchhalter»

Grosse Offenheit in Bezug auf mögliche strukturelle Massnahmen bewies dabei Diskussionsteilhnehmer Bernhard Waldmüller, Dekanatsleiter der Katholischen Kirche Bern: Er dachte laut über die Möglichkeit nach, Gemeinderäumlichkeiten künftig ökumenisch zu teilen. Andreas Zeller rief dazu auf, die «Krise als Chance zu sehen» und Literat Pedro Lenz hielt abschliessend fest, dass Gott kein Buchhalter sei. Darum seien Finanzen nicht alles. Sein Votum zielte so darauf ab, die Kirche nicht nur als Kostenfaktor zu sehen, sondern als sozialen Raum, der vieles ermöglicht.

Die Kirche strahlte aus: Gelungene Begegnungen

Ein weiteres Highlight war der sonntägliche Morgengottesdienst im Berner Münster. Mehr als 1300 Personen besuchten die Abschlussfeier mit abschliessender «Teilete» – einem gemeinsamen Brunch – auf dem Münsterplatz. Sprecherin Judith Pörksen wertet das Fest eindeutig als Erfolg:«Es ist uns gelungen, die Kirche auf die Strasse, zu den Leuten zu bringen. Der Dialog hat über Diskussionen und Begegnungen stattgefunden.»