Berliner Kirche modernisiert Kollekte

Traditionelle Kollekte im digitalen Zeitalter: In Berlin hat die evangelische Kirche einen neuen Klingelbeutel vorgestellt, der neben Bargeld auch Kreditkarten akzeptiert.

Äusserlich unterscheidet sich der digitale Klingelbeutel kaum von seinem analogen Vorbild. (Bild: Thorsten Wittke/EKBO)

Das bargeldlose Bezahlen soll künftig auch in Kirchen möglich sein. So könnte die Kollekte im Gottesdienst schon bald auch per Kredit- oder EC-Karte erfolgen. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) präsentierte dazu am 5. Juli den ersten «digitalen Klingelbeutel». Er hat die Form eines herkömmlichen Klingelbeutels. Im Griff des neuen Modells sind allerdings die nötige Bezahltechnik sowie ein Akku integriert.

Der «digitale Klingelbeutel» unterscheide sich äusserlich kaum vom bisherigen Modell, um das traditionelle Kollektesammeln «als liturgisch wichtigen Bestandteil des Gottesdienstes» nicht zu verändern, betonte Bischof Markus Dröge. Das neue Modell könne also sowohl für die Bargeld-Kollekte als auch für die «digitale Kollekte» genutzt werden. Es handle sich um ein zusätzliches Angebot für Gottesdienstbesucher, sagte Jörg Antoine von der EKBO.

Bargeld weiterhin möglich

Hintergrund ist demnach, dass immer weniger Banken Bargeld kostenfrei entgegennehmen. Bei einigen Finanzinstituten kann überhaupt kein Bargeld mehr abgegeben werden. Angesichts des zunehmenden bargeldlosen Zahlungsverkehrs solle in Kirchen nun auch der Umgang mit Kollekten vereinfacht werden, betonte Antoine. Präsentiert wurde zunächst ein Prototyp des «digitalen Klingelbeutels». Im Dezember 2018 werde mit ersten Tests in Kirchengemeinden gestartet.

Die Handhabung des «digitalen Klingelbeutels» ist denkbar einfach. Gottesdienstbesucher können entweder wie bisher Bargeld geben oder ihre Kredit- beziehungsweise Girokarte auf den Beutel legen und einen frei wählbaren Betrag bis zu 25 Euro überweisen.

Patentierter Klingelbeutel

Für die technische Innovation habe die EKBO ein Patent sowie den Musterschutz angemeldet. Weltweit gebe es bislang keinen Klingelbeutel dieser Art. Bargeldloses Bezahlen sei zwar auch schon in Kirchen in England oder Frankreich möglich. Ein einfaches Kollektesammeln ohne PIN-Eingabe oder zusätzliches technisches System existiere bislang aber nicht.

Die EKBO entwickelte überdies nach eigenen Angaben weltweit das erste Gesamtkonzept für eine digitale Kollekte. So seien langfristig auch eine bundesweite einheitliche Kollektenapp sowie ein Aussenkollektenterminal vor Kirchengebäuden angedacht, berichtete Kraetschmer weiter. Kooperationspartner bei der Entwicklung des «digitalen Klingelbeutel» ist unter anderem die Evangelische Bank als Deutschlands grösste Kirchenbank sowie Berliner Start-Up-Unternehmen, die etwa am Zahlkonzept an der Herstellung des neuen Geräts mittels 3-D-Druck mitwirkten. (epd/pd)