Armee will Zulassung für Armeeseelsorger lockern

Die Schweizer Armee hat mittelfristig zu wenig Pfarrer für die Armeeseelsorge. In Zukunft sollen deshalb auch Diakone, Katecheten und Theologiestudenten den Bedarf decken. Auch denkt der Chef der Armeeseelsorge laut über eine multireligiöse Seelsorge nach.

Einfacher Zugang: Für ein Gespräch mit dem Armeeseelsorger muss man keinen Dienstweg einhalten. (Bild: zVg)

Im Herbst 2010 schlug der damalige Chef der Armeeseelsorge Alarm. «Der Dienstzweig Armeeseelsorger stirbt im Jahr 2029 aus», schrieb er in einem Newsletter. Grund dafür sei der fehlende Nachwuchs. Immer weniger Pfarrer, Priester und Pastoralassistenten würden sich für den ökumenischen Dienst als Armeeseelsorger interessieren. Um dem entgegenzuwirken, wurden die Zugangsbedingungen gelockert: Ab sofort war keine Rekrutenschule mehr nötig, um Hauptmann Armeeseelsorger zu werden. Nun durften beispielsweise auch eingebürgerte ausländische Pfarrer oder Pfarrerinnen diesen Dienst leisten. Dazu brauchten sie lediglich die Empfehlung einer Landeskirche und mussten einen siebenwöchigen Einführungskurs und einen dreiwöchigen technischen Lehrgang besuchen.

 

Neue Wege bei Personalrekrutierung

Die Lockerung der Zulassung zeigte allerdings wenig Wirkung: Die Zahl der Armeeseelsorger blieb auch mit dieser Massnahme deutlich unter den benötigten 300 Personen. Für den heutigen Chef der Armeeseelsorge, Stefan Junger, ist die Zukunftsperspektive trotzdem nicht mehr ganz so düster wie vor sechs Jahren. Grund dafür ist die geplante Armeeverkleinerung auf 100’000 Personen. Damit wird es in Zukunft auch weniger Armeeseelsorger brauchen. Junger rechnet mit rund 170. «Diese Zahl wird derzeit knapp erreicht», sagt er, «allerdings ist der Altersdurchschnitt der aktiven Armeeseelsorger relativ hoch».

Darum will Junger bei der Personalrekrutierung neue Wege gehen: «Es ist geplant, künftig auch Fachoffiziere für die Armeeseelsorge zu ernennen.» Junger denkt dabei an Leute, die bereits im kirchlichen Dienst stehen, wie Sozialdiakone oder Katecheten. «Denkbar sind aber auch Theologiestudenten.» Sie sollen unterstützend eingesetzt werden können. Für ihre Rekrutierung muss der Chef der Armeeseelsorge aber erst noch ein Auswahlverfahren erarbeiten: «Denkbar ist eine Art Assessment.» Auch wo diese Fachoffiziere genau eingesetzt werden, ist noch nicht definiert. Geht aber alles nach Plan, sollen die neuen Seelsorger bereits ab 2018 einsatzbereit sein.

 

Muslimische Armeeseelsorge?

Mit dem neuen Typ Armeeseelsorger eröffnen sich allenfalls neue Möglichkeiten. So könnten auch Seelsorgende nichtchristlicher Religionen eingebunden werden. Kann sich Stefan Junger muslimische Armeeseelsorger vorstellen? «Es ist offen, wie die vielfältiger werdende religiöse Verwurzelung der Armeeangehörigen die Auswahl beeinflussen wird», sagt Junger. Heute funktioniere die Armeeseelsorge noch vollkommen ökumenisch, von Gesetzes wegen stehe sie aber allen Armeeangehörigen offen, ganz gleich welcher Religion sie angehören. «Es ist daher möglich, dass die Armeeseelsorge künftig multireligiös zusammengesetzt sein könnte», so der Chef der Armeeseelsorge.

 

Daniel Klingenberg/ref.ch
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

 

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