«Arena»-Leiter verweist gemässigte Muslime auf die hinteren Plätze

Für die «Islam-Arena» wählt die Redaktion als Hauptredner den Islamischen Zentralrat-Sprecher Abdel Azziz Qaasim Illi und die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Saïda Keller-Messahli. In die zweite Reihe verwiesen wird der Präsident der «Koordination Islamischer Organisationen Schweiz», Farhad Afshar. Er vertritt einen gemässigten Islam. Arena-Redaktionsleiter Jonas Projer nimmt Stellung, warum zwei Extrempositionen im Zentrum der Sendung stehen.

«Arena»-Redaktionsleiter und Moderator Jonas Projer stellt in der «Islam-Arena» zwei Extrempositionen ins Zentrum der Sendung. Gemässigtere Stimmen müssen weiter hinten Platz nehmen. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Herr Projer, wie kam es zur Auswahl der Gäste?

Muslime in der Schweiz werden oft als homogene Gruppe wahrgenommen. Einer der Ansätze heute Abend ist es, transparent zu machen, dass Muslime in der Schweiz eine heterogene Gruppe sind, die sich auch untereinander oft nicht einig sind. Wir haben mit Herrn Illi und Frau Keller-Messahli Personen mit einer deutlichen Meinung eher an den beiden Enden der Skala genommen.

 

Sie stellen damit zwei eher extreme Positionen in die vordere Reihe. Warum ist Herr Afshar, der eine gemässigte Position vertritt, in der hinteren Reihe?

Herr Afshar hat als einziger Experte eine sehr prominente Position, direkt hinter der Moderation. Dass wir im Zentrum nur zwei Gäste haben, also eine Art Duell, hat in der Arena Tradition. Herr Afshar als Vertreter eines der beiden Dachverbände ist in dieser Sendung jedoch ein sehr wichtiger Gast, der ausführlich zu Wort kommen wird.

 

Warum machen Sie keine Viererrunde, beispielsweise mit Hisham Maizar, dem Präsidenten der Föderation islamischer Dachverbände der Schweiz?

Die Position von Herrn Maizar wäre jener von Herrn Afshar sehr nahe gestanden. Es wäre durchaus möglich gewesen, Herrn Maizar ebenfalls einzuladen. Grundsätzlich versucht man aber in einer Diskussionssendung, keine Position doppelt zu besetzen.

 

Leisten Sie damit nicht einem verzerrten Islambild in den Medien Vorschub, wenn Sie zwei Extrempositionen ins Zentrum stellen?

Ich würde das nicht Extrempositionen nennen. Wenn man eine kontroverse Diskussion führt, nimmt man oft Positionen, die relativ weit auseinander liegen, aber man versucht, nicht dort stehen zu bleiben, sondern auch Mittelpositionen einzubringen, Kompromisse zu finden.

 

Der IZRS vertritt nur eine Minderheit der Muslime. Halten Sie ihn dennoch für relevant?

Ich würde sagen, der IZRS ist ein relevanter Player in dieser Diskussion. Eine Frage, die wir in der Sendung zu klären versuchen, ist: Wer vertritt eigentlich die Muslime? Unsere Recherchen vor der Sendung haben gezeigt, dass es eigentlich niemanden gibt, der eine Mehrheit der Muslime vertritt. Eines der Phänomene dieser Gemeinschaft ist gerade, dass sie nicht organisiert ist, zum Beispiel in einem einzigen Dachverband. Wenn man das Thema fair und ausgewogen anschauen will, macht man es sich zu einfach, den IZRS zu ignorieren. Aber wir geben ihm nicht einfach eine unkritische Plattform, auf welcher er sich als Vertreter aller Muslime präsentieren kann, sondern wollen zeigen, wo die Spannungen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft sind. (kath.ch)