Anschlag auf Kopten in Ägypten fordert 28 Tote

Eine Gruppe von christlichen Kopten ist in der Nähe von Kairo auf dem Weg zu einem Kloster von Bewaffneten attackiert worden. Mindestens 28 Menschen wurden getötet, darunter viele Kinder.

Aufnahme des zerschossenen Busses.
Aufnahme des zerschossenen Busses. (Bild: Screenshot SRF)

Die christliche Minderheit in Ägypten ist erneut Opfer eines Anschlags geworden: Bei einem Angriff auf einen mit Kopten besetzten Bus wurden am Freitag nach Angaben der Behörden mindestens 28 Menschen getötet, unter ihnen viele Kinder.

Der Bus wurde demnach in der Provinz Minja südlich von Kairo von Bewaffneten attackiert. Die Reisenden waren auf dem Weg zu einem Kloster, als sie von Angreifern mit automatischen Waffen beschossen wurden, wie Provinzgouverneur Essam al-Bedaui im Staatsfernsehen sagte. Die Angreifer konnten seinen Angaben zufolge fliehen.

Angreifer noch nicht identifiziert

Augenzeugen berichteten, maskierte Männer hätten die zwei Busse und einen Lastwagen gestoppt und das Feuer eröffnet. Bislang konnten die Schützen nicht identifiziert werden. Das Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen des Busses mit zerstörten Fensterscheiben und zahlreichen Einschusslöchern. Auf Nachrichtenwebsites waren Fotos von Leichen zu sehen, die rund um den Bus im Sand lagen.

Sicherheitskräfte richteten auf der Jagd nach den Tätern entlang der Wüstenstrasse Dutzende Kontrollpunkte ein und setzten Patrouillen ein. Präsident Abdel Fattah al-Sisi berief eine Sitzung mit Sicherheitsexperten ein, wie die staatliche Nachrichtenagentur berichtete. Der Sprecher der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten rief die Regierung in Kairo auf, Massnahmen zum Schutz vor solchen Angriffen zu ergreifen.

Immer wieder Opfer von Gewalt

Die christliche Minderheit ist in Ägypten immer wieder Opfer von Gewalt. In den vergangenen Wochen wurden bei mehreren Anschlägen auf Kopten in Ägypten dutzende Menschen getötet.

Anfang April wurden bei Anschlägen auf zwei Kirchen in Alexandria sowie in Tanta nördlich von Kairo insgesamt 45 Menschen getötet. Zu der Tat bekannte sich die Terrormiliz IS. Staatschef Abdel Fattah al-Sisi rief daraufhin einen dreimonatigen Ausnahmezustand aus.

Zuvor hatte sich im Dezember 2016 ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in der koptischen Kirche St. Peter und Paul in Kairo in die Luft gesprengt. 29 Menschen wurden getötet und dutzende weitere verletzt. Auch diesen Anschlag reklamierte der IS für sich.

Im Februar rief die Terrormiliz in einem Video zu Gewalt gegen Kopten auf. Hunderte Angehörige der Minderheit flohen bereits von der Sinai-Halbinsel.

Über neun Millionen Kopten

Die Kopten machen rund zehn Prozent der 92 Millionen Ägypter aus. Dschihadistengruppen werfen den Kopten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben. Seitdem wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 40 koptische Kirchen in Brand gesetzt oder beschädigt.

Unter dem Einfluss der Muslimbrüder habe sich die Lage der ägyptischen Christen aber schon in den Jahren zuvor verschlechtert, sagt Samir Khalil vom Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom. Die Islamisten hätten die Ägypter gegen die Christen aufgestachelt.

Die Kopten fühlen sich in vielen Bereichen benachteiligt und beklagen, dass sie von Posten in der Justiz, an Universitäten und bei der Polizei ausgeschlossen werden. Die Kopten fühlten sich als «Bürger zweiter Klasse», sagt ein ranghoher Vertreter des Vatikans. Neben den orthodoxen Kopten gibt es in Ägypten eine kleine katholische Gemeinschaft, der rund 270’000 Gläubige angehören.

Papst Franziskus hatte Ägypten Ende April bei einem Besuch in Kairo im Kampf gegen religiösen Extremismus und Terror gegen Christen in die Pflicht genommen. Die Probleme müssten sofort angegangen werden, «um ein noch schlimmeres Abdriften in die Gewalt zu vermeiden», sagte der Pontifex bei einem Treffen mit Staatspräsident al-Sisi. (sda afp dpa reu)