Angehörige von Straftätern begleiten und unterstützen
Eine Inhaftierung erschüttert nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Angehörigen. Während mutmassliche Straftäterinnen im Justizsystem engmaschig begleitet werden, bleiben Angehörige oft allein. Die reformierte Landeskirche und die katholische Kirche im Kanton Zürich wollen diese Personen stärker unterstützen.
Sie haben dafür die Fachstelle «Extramural» geschaffen, ein Pilotprojekt, das von der interreligiösen Gefangenenseelsorge mitgetragen wird. Geleitet wird die Fachstelle von Ivana Mehr, der ehemaligen Migrationsbeauftragten der refomierten Landeskirche Zürich. Mehr hat ihre Stelle am 1. April 2023 angetreten, wie die reformierte Landeskirche und die katholische Kirche in einer Mitteilung schreiben.
Finanziell aushelfen
Die 40-jährige Religionswissenschaftlerin soll Angehörige begleiten und betreuen. «Die Angehörigen können Verständnis finden, Mut gewinnen und Gleichgesinnte treffen», lässt sich Mehr in der Mitteilung zitieren. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, zuzuhören ohne zu werten.
Mehr unterstützt die Betroffenen unter anderem bei sozialen oder administrativen Fragen, in Notlagen soll punktuell auch finanzielle Unterstützung möglich sein. Die Beratungen finden in der Fachstelle in Zürich oder an einem anderen, gewünschten Ort statt. Möglich ist der Austausch auch per Telefon, e-Mail, SMS oder Whatsapp.
Angebot für alle offen
Die Fachstelle sei wichtig, weil Aussenstehende mit ihren emotionalen, sozialen oder finanziellen Sorgen und Nöten oftmals allein gelassen würden, heisst es in der Mitteilung weiter. Sie plagten Scham- oder Schuldgefühle und könnten mit niemandem darüber sprechen. «Vielleicht fragen sie sich auch, ob sie als Angehörige der Täterseite überhaupt Anspruch auf Unterstützung haben», steht im Communiqué.
Das Angebot ist kostenlos und vertraulich. Es steht allen Angehörigen offen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder Religionszugehörigkeit. Für das Pilotprojekt sind vorerst 60'000 Franken budgetiert.
Das Leiden Angehöriger von Straftätern hat auch das Schweizer Fernsehen SRF thematisiert. Im Dok-Film «Mitgefangen» schildern Jugendliche, was die Straftat ihrer Eltern für einen Einfluss auf ihr eigenes Leben hatte.