Sie kommen aus Graubünden oder Basel, natürlich aus dem Aargau, einige (wenige) aus der Romandie und dem Tessin, und sogar aus Wien hat sich eine Delegation ins ferne Aarau begeben. Allen Frauen, die da nach und nach auf dem Aarauer Bahnhof eintreffen, ist eins gemeinsam: gute Laune. Die Frauensynode, die seit 1995 etwa alle vier Jahre in der Schweiz stattfindet, ist eine Gelegenheit, alte Bekannte wiederzusehen, Kraft zu tanken und gemeinsam darüber nachzudenken, was noch zu tun ist und wie frau das angehen könnte.
Gut gelaunt trotz schweisstreibender historischer Kostüme sind auch die Musiker (und ein paar Musikerinnen) der Stadtmusik Aarau, die die Frauen (und den einen oder anderen Mann) auf dem Bahnhofsplatz empfangen und sie zum Kultur- und Kongresshaus (KUK) geleiten, in dem das Hauptprogramm stattfindet. So einen Umzug sieht man nicht alle Tage. Schade, dass Aarau noch weitgehend im Sonntagsschlaf liegt.
Von Handtaschen und Trainerhosen
Bei aller Ernsthaftigkeit, mit der im KUK die grossen Themen diskutiert werden, gibt es immer wieder Gelegenheit zum Lachen. Dafür sorgen schon die Einlagen vom «Frölein Da Capo», das mit seinem «Einfrauenorchester» technisch und textlich umwerfend Frauenthemen besingt, vom Chaos in der Handtasche bis zur scheusslichen Trainerhose des Liebsten.
Die zwei Hauptrednerinnen kommen aus ganz unterschiedlichen Lagern. Suzanne Thoma ist CEO der Berner Kraftwerksgruppe BKW, der unter anderem das Kernkraftwerk Mühleberg gehört. Die andere Referentin ist die bald 80-jährige Dominikanerin Ingrid Grave, die früher in der «Sternstunde Religion» und dem «Wort zum Sonntag» zu sehen war.
Während Grave der Ansicht ist, dass «wer aus alten Quellen Profit geschlagen» habe, sich «nicht für neue interessieren» werde, mahnt Thoma vor voreiligen «Schwarz-Weiss-Denken». Die BKW seien wohl ein börsenkotiertes Unternehmen, das Profit machen müsse. Aber gute Aktienkurse seien eben auch wichtig für die anlegenden Pensionskassen – und damit für das Portemonnaie der Frauen im Publikum.
Insgesamt sei die «Energieversorgung global im Umbruch». Inzwischen sei man sich der Tatsache bewusst, dass die Atmosphäre nur noch ein Fünftel der fossilen Energiereserven aufnehmen könnte, damit das Klimaziel einer Erwärmung von nicht mehr als zwei Grad erreicht werde. China unternehme gerade gewaltige Anstrengungen, um die Luftverschmutzung zu reduzieren, auch Deutschland habe sich auf den Weg zu einer Energiewende gemacht. Die Schweiz dagegen sei hier «ganz weit zurück». Der Grund: «Wir sind ein Volk von Ökonomen.» Wenn Fotovoltaik oder Wasserkraft sich nicht rechneten, würde eben darauf verzichtet. Neben der Förderung alternativer Energie müsse ein Umdenken im Lebensstil stattfinden. «Wir tun mehr für die Umwelt, wenn wir unseren Fleischkonsum einschränken, als wenn wir mit dem Velo zum Supermarkt fahren, um dort ein Steak zu kaufen», so Thoma.







