Darunter seien allein 84 Südafrikaner, sagte der südafrikanische Katastrophenschutzminister Jeff Radebe am Montag unter Berufung auf Rettungskräfte in Lagos. Die nigerianischen Behörden befürchten, dass noch mehr Menschen unter den Trümmern des Gästehauses einer beliebten Kirche in der Stadt begraben liegen. Das Unglück hatte sich vor zehn Tagen ereignet.
Eine Militärmaschine brachte am Montag 25 südafrikanische Verletzte, darunter mehr als ein Dutzend mit lebensgefährlichen Verletzungen, nach Pretoria. Die Behörden gehen von allein rund 350 südafrikanischen Besuchern der Kirche zum Unglückszeitpunkt aus.
Fünf Tage lang unter Trümmern begraben
Eine aus den Trümmern gerettete Südafrikanerin berichtete von dramatischen Erlebnissen: Fünf Tage lang war Lindiwe Ndwandwe im Schutt begraben, wie sie mehreren Medien sagte. Eingeschlossen in einer Toilette habe sie nur durch eine kleine Spalte atmen können. Um sie herum seien die Schreie anderer Verschütteter leiser geworden und schliesslich verstummt. Zum Schluss habe sie ihren eigenen Urin trinken müssen, um nicht zu verdursten. «Es ist wie ein Traum, dass ich da rausgekommen bin», sagte die 33-Jährige.
In dem Kirchengebäude waren einheimische und ausländische Gäste der Synagogue Church of All Nations (Scoan) des populären Fernsehpredigers T.B. Joshua untergebracht. Nach Angaben von Rettungskräften war das Gebäude wohl durch den Bau zusätzlicher Stockwerke überlastet.
Die Behörden warfen Joshua vor, das Ausmass des Unglücks vertuscht zu haben. Joshua, der nach eigenen Angaben wiederholt Wunder verübt hat, zählt eine Reihe von Regierungschefs und Präsidenten zu seinen Anhängern, was ihm erheblichen politischen Einfluss verleiht. (sda)