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In Washington wächst das grösste Bibelmuseum der Welt

(Bild: museumofthebible.org) Visualisierung des Bibelmuseums, das im November 2017 seine Tore öffnen soll.

Es soll das grösste Bibelmuseum der Welt werden. Drei Blocks entfernt vom Kapitol in Washington entsteht ein 500 Millionen Dollar teures Projekt rund um das meistgelesene Buch der Welt.

Noch sind die 40’000 Quadratmeter in dem ehemaligen Kühlhaus in Washington eine riesige Baustelle. Trotzdem herrscht Zuversicht, dass das grösste Bibelmuseum der Welt pünktlich im November eröffnet werden kann.

Der Eingangsbereich soll wie eine überdimensional grosse Seite des weltweit meistgelesenen Buches gestaltet werden, in der Lobby wird heller Stein aus Jerusalem glänzen, und an der Decke werden überlebensgrosse biblische Figuren prangen. «Alles wird sehr hell sein», sagt Pressesprecher Jeremy Burton.

Die Idee des Bibelmuseums hatte der Unternehmer Steve Green. 2009 gründete er eine der weltweit grössten privaten Kollektionen seltener biblischer Artefakte, die «Green Collection» in Oklahoma City. Der heute 75-Jährige stellte ein Team aus Akademikern, Designern und Technologie-Profis zusammen, um das Museum zu etablieren.

«Die Bibel hat einen unbestreitbaren Einfluss auf Wissenschaft, Bildung, Demokratie, Kunst und Gesellschaft. Sie hat viele Leben zutiefst beeinflusst, auch mein eigenes», sagt er.

Konservative Sichtweise

Wie viele Konservative fürchtet Green, dass die USA sich davon entfernen, was er als «biblische Weltsicht der Gründer» versteht – für diese Sichtweise wird Green kritisiert, erhält aber von Evangelikalen auch Zuspruch. Dass er seine Sammlung auch als durchaus erzieherischen Auftrag der Evangelisierung sieht, gefällt nicht jedem. «Jesus kommt nach Washington», schrieb «Newsweek» ironisch. Greens Sichtweise des Christentums sei verengt.

Jeder Besucher kann sich im neuen Museum auf einem Tablet-Computer einen persönlichen Rundgang in zehn verschiedenen Sprachen programmieren lassen. «Man kann auch seinen eigenen Namen auf biblische Wurzeln prüfen», sagt Burton. In einem Theater sollen Musicals, Konzerte oder Stücke möglichst authentisch biblische Szenen nachstellen.

Elvis Presleys Bibel

Drei Themenbereiche soll das Museum haben: die Wirkung der Bibel, ihre Erzählungen und ihre Geschichte. Wie hat die Bibel Mode, Familie, Justiz, Musik und Literatur beeinflusst? «Die Idee, zwei oder mehr Zeugen zu haben, kommt aus der Bibel. Sie hat sich im Justizsystem verankert», sagt Burton. «Mode-Shows wurden um biblische Motive herum gestaltet, in Stücken von Shakespeare gibt es über 15’000 biblische Referenzen.»

Die Erzählperspektive der Bibel soll im Museum nicht zu kurz kommen: «Man lernt die Geschichten von Moses kennen oder erfährt, wie Josua den Jordan überquert hat – ein Designteam will versuchen, diese Handlungen zum Leben zu erwecken und den Zuschauer fühlen zu lassen, wie es wäre, damals gelebt zu haben», sagt Burton.

Im Geschichtsteil des Museums sollen verschiedene Bibeln aus aller Welt gezeigt werden. Spektakulär ist die Lunar-Bibel, die mit dem Astronauten Edgar Mitchell auf der Apollo-14-Mission auf dem Mond war: «Es ist ein sehr kleiner Druck, man kann sie nur mit der Lupe lesen», sagt Burton. Auch Elvis Presleys Bibel wird zu sehen sein.

Noch befinden sich alle Objekte in Oklahoma City, nur ein Ausstellungsstück ist vor Ort, eine Replik der Freiheitsglocke. Das Museum kuratiert etwa 40’000 Objekte aus aller Welt, doch nicht alles wird aus Oklahoma nach Washington gebracht. Burton: «Das könnten wir gar nicht alles ausstellen, dafür ist es einfach zu viel.» (dpa/Melanie Höhn)

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