Zürcher Kirchen reagieren auf Austrittserklärung

Der Journalist Andreas Tobler schrieb im Tages-Anzeiger, warum er aus der Kirche austreten will. Die Zürcher Kirchen kritisieren nun in einem offenen Brief, dass seine Begründung nicht korrekt sei.


Ab 2020 will er nicht mehr Kirchenmitglied sein, das ist der Vorsatz des Journalisten Andreas Tobler, publiziert im Tages-Anzeiger. Tobler begründet seinen Entscheid damit, dass er in Sachen Religion «unmusikalisch» sei. Zudem würden die Kirchen in der heutigen Gesellschaft keine gewichtige Rolle mehr spielen. Einzig die sozialen Projekte lägen ihm noch am Herzen. Doch dafür würden die Kirchen Staatsbeiträge erhalten. Es genüge also Steuern zu zahlen, man müsse kein Kirchenmitglied mehr sein.

«Unsorgfältige Recherche»

Michel Müller, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, und Franziska Driessen-Reding, Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, reagieren nun in einem offenen Brief vom 10. Januar darauf. Sie halten fest, dass sie den Entscheid Toblers respektierten. Schliesslich stehe es jedem frei, einer Religionsgemeinschaft anzugehören oder nicht.

Jedoch stören sie sich daran, dass Tobler behauptet, ein Kirchenaustritt würde den Kirchen nicht schaden, weil ja jeder Bürger als Steuerzahler bereits seinen Beitrag zugunsten der Kirchen leiste. Dies sei nicht gründlich recherchiert. Eine Studie der Universität Zürich von 2018 habe gezeigt, dass die staatlichen Beiträge nicht ausreichen würden, um die Leistungen der Kirchen in den Bereichen Soziales, Kultur und Bildung zu erbringen. Der Staat zahle den Kirchen im Kanton Zürich jährlich 50 Millionen Franken. Die Steuereinnahmen der Kirchen betrugen im Jahr 2018 jedoch 440 Millionen Franken.

Ohne Freiwilligenarbeit geht nichts

Müller und Driessen-Reding betonen zudem, dass in der Kirche sehr viel Freiwilligenarbeit geleistet werde. Die Kirche brauche also ihre Mitglieder und nicht nur staatliche Unterstützung. Dazu listet der Brief das vielfältige Engagement der Kirchen auf: Die Erhaltung historischer Gebäude und die Pflege der Kirchenmusik, Integrationsarbeit, Seelsorge und Jugendarbeit.

Ausserdem seien Kirchen mehr als «staatlich unterstützte Sozialinstitutionen»: Sie würden Glauben, Hoffnung und Liebe vermitteln sowie Menschen begleiten auf der Suche nach Sinn. Müller und Driessen-Reding schreiben, dass sie Andreas Tobler nicht bekehren wollten. Doch sein Austritt schmerze sie. (mos)