Weltweite Bestürzung über abgebrannte Kathedrale von Paris

Politiker, Kirchenvertreter und Gläubige sind entsetzt über den verheerenden Brand der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Präsident Macron versprach einen Wiederaufbau.

Der verheerende Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist komplett gelöscht. Die Brandgefahr sei gebannt, nun müsse man schauen, wie die Struktur des Gebäudes standhalte, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez, dem Sender BFM TV.

Experten und Architekten wollten darüber beraten, wie die Feuerwehr ihre Arbeit fortsetzen kann und ob die Kathedrale stabil ist, so Nuñez. Rund hundert Feuerwehrwehrleute seien noch im Einsatz, am Montagabend waren es 400. Bei dem Brand sei ein Feuerwehrmann leicht verletzt worden, sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. «Wir hatten grosses Glück.»

Obwohl der Dachstuhl abbrannte, die Orgel beschädigt und der Mittelturm einstürzte, konnte das Allerschlimmste somit verhindert werden: Der Einsturz der beiden grossen Türme und der stützenden Mauern.

Bundesrat und Kirchenvertreter bestürzt

Der Brand löste weltweit grosse Betroffenheit aus, bei Politikern, Kirchenvertretern und Gläubigen. So reagierte der Vatikan bestürzt. «Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen», erklärte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

Auch die offizielle Schweiz zeigte sich betroffen. Bundespräsident Ueli Maurer drückte im Namen des Gesamtbundesrats sein Mitgefühl aus. «Ich möchte unsere tiefste Trauer darüber ausdrücken, dass wir ein so geliebtes Denkmal im Herzen von Paris sehen, das allen so lieb ist und von den Flammen zerstört wurde», hiess es in einer Stellungnahme vom 15. April im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Botschaft in französischer Sprache wurde auf dem Twitter-Account des Bundesratssprechers André Simonazzi veröffentlicht.


Für den Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Gottfried Locher, ist Notre Dame mehr als eine Kirche: «Sie ist ein Symbol und steht für die lange Geschichte des Christentums in Europa», sagte er auf Anfrage von ref.ch.

Die Kathedrale sei ein Ort der Stille und des Gebets für Menschen aus aller Welt, sagte Locher weiter. Auch er habe dort schon gebetet. «Es macht mich betroffen, dass dieser Kraftort nun in Schutt und Asche liegt. Möge Notre Dame eines Tages ihre Tore wieder öffnen.» Mit dieser Hoffnung gehe er dieses Jahr Ostern entgegen.

Ebenfalls grosse Trauer äusserte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Notre Dame sei «die Seele von Paris», schrieb er auf Facebook.

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, zeigte sich auf Twitter trotz der Zerstörung hoffnungsvoll: «Notre Dame in Paris brannte und die Welt trauerte. Die Feuerewehr stoppte die Katastrophe. Dieses Gebetshaus wird wieder aufgebaut. Ein Hoffnungszeichen!», schrieb er.

«Symbol für die ganze Welt»

Notre-Dame ist eine der wichtigsten Pariser Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité.

Der deutsche Regierungssprecher twitterte im Namen von Kanzlerin Angela Merkel: «Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen.» Er fügte hinzu: «Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.»

«Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa», schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. «Wir stehen heute alle an der Seite von Paris.» EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb: «Notre-Dame gehört der ganzen Menschheit. Welch trauriger Anblick.»

Auch US-Präsident Donald Trump zeigte sich bestürzt. Die Kathedrale sei einer der grössten Schätze auf der Welt, grossartiger als fast jedes Museum auf der Welt. «So schrecklich, das verheerende Feuer an der Notre-Dame-Kathedrale in Paris zu sehen.» Und die Chefin der Uno-Kulturorganisation Unesco, Audrey Azoulay, sagte zu Reportern: «Notre-Dame ist ein Symbol für die ganze Welt.»

Dornenkrone gerettet

Das Feuer war am Abend des 15. April in der weltberühmten Kathedrale im Herzen von Paris ausgebrochen. Die Flammen verwüsteten den Sakralbau, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen. Das genaue Ausmass der Zerstörungen war am frühen Morgen noch nicht bekannt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Abend erklärt, das Schlimmste sei verhindert worden.

Die Feuerwehr war während des Brandes in grosser Sorge um die beiden Türme des massiven Baus. Priorität der Arbeiten sei es gewesen, die Struktur der beiden Türme zu schützen, sagte Sprecher Plus.

Die Befürchtung sei gewesen, dass die Konstruktion der Türme geschwächt würde und die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame abstürzen könnten. Zu Beginn der Löscharbeiten sei es nicht übereilt gewesen, einen Zusammenbruch der Strukturen zu bedenken.

Eine grosse Herausforderung für die Arbeiten sei die Sicherung der Kunstschätze gewesen. Nach dem Einsturz des Spitzturms, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, seien Leute aus dem Inneren der Kirche zurückgezogen worden. Dort sei dann ein Roboter eingesetzt worden.

Eine der wichtigsten Reliquien konnte dabei gerettet werden. Es handle sich um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, der Direktor des Gotteshauses. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Wieder aufbauen

Frankreich will das berühmte Wahrzeichen wieder instandsetzen. «Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen«, sagte Staatschef Emmanuel Macron am späten Montagabend. «Denn das ist es, was die Franzosen erwarten.»

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt, bislang wird dabei die Spur eines Unfalls verfolgt. Das Feuer sorgte weltweit für Entsetzen. Es war am Montagabend ausgebrochen, über Stunden schlugen Flammen in den Himmel.

«Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist», sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Dies soll nun auch mit Lasertechnik untersucht werden.

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen unbeabsichtigter Zerstörung durch Feuer ein, von Brandstiftung ist bislang nicht die Rede. Der Brand könnte mit Bauarbeiten auf dem Dach der Kirche zusammenhängen. Die Staatsanwaltschaft nahm dazu zunächst keine Stellung. (sda/mey)