«Was im Juni 2013 hoffnungsvoll begann, entspricht heute, ein Jahr, später, keineswegs mehr den Anliegen und Bedürfnissen der Direktbetroffenen», teilt der Verein in seinem Communiqué mit. Er kritisiert insbesondere den Delegierten des Bundesrats, Luzius Mader. Der stellvertretende Direktor des Bundesamts für Justiz sei ein «Verwaltungs- und Machtmensch» mit «engem Denkkonzept». Und: «Sein Wirken seit Ende Oktober stand stets klar auf der Seite der Täter und nicht der Opfer, trotz gegenteiligen Beteuerungen.»
Schon bei der Lancierung des runden Tischs zögerte der Verein mit einer Teilnahme. Er befürchtete, dass die Stimme der Betroffenen zu wenig Gewicht erhalten würde. Erst die Teilnahme von Bundesrätin Simonetta Sommaruga an der ersten Sitzung des runden Tisches stimmte den Verein um.
Kritik an Kirche
Die Organisation störte sich damals insbesondere auch an der Beteiligung der katholischen Kirche, die in ihren Augen nicht bereit sei, die Geschichte aufzuarbeiten. Gegenüber der Presseagentur Kipa wies Wolfgang Bürgstein, der im Namen der Schweizer Bischöfe am runden Tisch sitzt, im Mai 2013 diesen Vorwurf zurück. Die Kirche arbeite die Missbrauchs-Fälle durchaus auf. 2012 publizierten etwa im Kanton Luzern die katholische Kirche und der Kanton die Studie «Hinter Mauern», welche den Ursachen von Gewaltanwendungen in kirchlich geführten Erziehungsanstalten im Kanton nachgeht. Auch die Ingenbohler Schwestern legten einen entsprechenden Bericht vor.