Tagungszentrum Boldern darf sein Tafelsilber verkaufen

Die Vereinsdelegierten des Tagungszentrums Boldern gewähren ihrem Vorstand die Möglichkeit, die wertvolle Boldern-Villa am Zürichberg zu verkaufen und ein Landabtausch in Männedorf zu vollziehen. Damit soll das Überleben der geschichtsträchtigen Institution gesichert werden – und ein Stück weit auch reformierte Geschichte.

Die Immobilie am Zürichberg des Tagungszentrums Boldern soll verkauft werden – und damit zum Überleben der Institution beitragen. (Bild: Google Maps)

Noch im April dieses Jahres kam es zum Eklat an der ausserordentlichen Versammlung des Trägervereins des Tagungszentrum Boldern, als der gesamte Vorstand zurücktrat. Rund ein halbes Jahr später, mit einem neuen Vorstand, wurde nun an der Vereinsversammlung des Trägervereins Boldern ein neues Gesamtkonzept genehmigt und damit Möglichkeiten geschaffen, welche die Zukunft des Tagungszentrums sichern sollen. So ermächtigten die Delegierten am 29. November den Vorstand, einen Landabtausch unterhalb des Tagungszentrums in Männedorf zu vollziehen und das in Vereinsbesitz befindliche «Boldernhaus Zürich» in der Stadt Zürich zu verkaufen.

«Herzstück» sichern

Der Verkauf des «Boldernhaus Zürich» am Zürichberg dürfte dem Verein einen hohen einstelligen Millionenbetrag in die Kasse spülen. Weiter besteht nun für den Verein die Möglichkeit, in einem laufenden Quartierplanverfahren der Gemeinde Männedorf einen Landabtausch auf Boldern vorzunehmen. Die Trägerschaft würde dadurch über ein Grundstück verfügen, auf dem Mieterlöse generiert werden könnten. Madeleine Strub-Jaccoud, die Präsidentin des Trägervereins, spricht von «mittelfristigen Plänen», dass der Verein als Bauherr tätig werden könnte. Mit den Erlösen soll «das Herzstück von Boldern, ein Kursangebot rund um die Themen Theologie, Gesellschaftspolitik und Spiritualität» langfristig gesichert werden.

Mit der Vision «Boldern inspiriert» will das Tagungszentrum ein «Ort der Inspiration und der Hoffnung» werden, sagt Strub-Jaccoud. Dabei werde das «neue, stark auf Gastlichkeitkeit ausgerichtete» 3-Sternehotel Boldern mit Projekten zusammenarbeiten, die sich «an den Werten Bolderns» orientieren. So konnte das Projekt «Betreutes Wohnen BeTaWo» bereits starten, ebenso die Projekte «Boldern Konzerte» und eine  Zusammenarbeit mit der Stiftung Kinder- und Jugendmuseum.

Ein Stück reformierte Geschichte endet

Mit dem Verkauf des «Boldernhaus Zürich» an der Voltastrasse 27 wird auch eine lange, eng mit Boldern verknüpfte Geschichte enden. Im ehemaligen Ärztehaus war in den 50er-Jahren ein reformiertes Studentinnenheim untergebracht, später ging die Liegenschaft durch eine Schenkung an das hoch über Männedorf gelegene Tagungszentrum Boldern. Fortan wurde das Haus als Stadtsitz des Tagungszentrums genutzt. 2011 beschloss die Zürcher Landeskirche, den Trägerverein Boldern finanziell nicht mehr zu unterstützen und die Studienleitung in die gesamtkirchlichen Dienste zu integrieren. Bereits vorher vermietete der Verein die Liegenschaft am Zürichberg an das Institut für systemische Entwicklung und Fortbildung (IEF). Das Institut befindet sich bis heute im ehemaligen «Boldernhaus Zürich».