Umsturz in Syrien 

Schwere Unruhen kosten zahlreiche Menschenleben

Seit drei Monaten ist in Syrien eine Übergangsregierung an der Macht. Nun soll es Kämpfe zwischen Sicherheitskräften der neuen und Anhängern der alten Regierung gegeben haben.

Bei dem schlimmsten Ausbruch von Unruhen in Syrien seit dem Machtwechsel vor rund drei Monaten sind Berichten zufolge mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen. Es war zu Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern des gestürzten Langzeitherrschers Baschar al-Assad gekommen.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte seien mehr als 160 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, von Kämpfern aufseiten der neuen Machthaber hingerichtet worden. Bei den Opfern soll es sich um Angehörige der alawitischen Minderheit handeln, der auch der frühere syrische Machthaber Baschar al-Assad angehört.

Test für Übergangspräsidenten

Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa wandte sich an die Bevölkerung. Anhänger der gestürzten Regierung hätten mit Angriffen versucht, «das neue Syrien zu testen». Al-Scharaa lobte die Reaktion der Sicherheitskräfte und rief die Angreifer auf, ihre Waffen niederzulegen. 

Jeder, der Übergriffe gegen Zivilisten begehe, werde hart bestraft, kündigte der frühere Rebellenchef zugleich an. Für ihn sind die Auseinandersetzungen der erste grosse Test seit der Machtübernahme.

Bewaffnete Gruppen aktiv

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Geir Pedersen, zeigte sich «zutiefst besorgt». Er rief in einer Mitteilung alle Seiten auf, von Handlungen abzusehen, «die die Spannungen anheizen, den Konflikt eskalieren, das Leid verschlimmern und Syrien destabilisieren könnten». Der Schutz der Zivilbevölkerung müsse gewahrt werden.

Viele Menschen forderten, die bewaffneten Angriffe zurückzuschlagen. Die Sicherheitskräfte gehen laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana vor allem entlang der Mittelmeerküste, dem Kernland der alawitischen Minderheit, gegen Anhänger al-Assads vor. In der gebirgigen Küstenregion sind noch bewaffnete Gruppen mit Verbindungen zu der gestürzten Vorgängerregierung aktiv.

Assad hatte Syrien mehr als zwei Jahrzehnte regiert. Nach einer Blitzoffensive unter Führung der Islamistengruppe HTS Ende vergangenen Jahres floh er nach Russland.

Die neue Übergangsregierung unter Führung von al-Scharaa versucht seitdem die Sicherheit im Land wiederherzustellen und die Wirtschaft anzukurbeln. Al-Scharaa versprach bei Amtsantritt, alle Gruppen in dem Land in einen Prozess der politischen Erneuerung einzubeziehen und Menschenrechte zu achten. (sda/ jow)

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