Reformierte Glarus: Tiefere Hürden für die kirchliche Taufe

Die Synode der Reformierten Landeskirche Glarus hat am 17. November Hürden für die kirchliche Taufe abgebaut. Gotte und Götti müssen nicht mehr zwingend Kirchenmitglieder sein.

Walter Schaub, Synodaler aus Kerenzen, zeigte den Synodalen das Dilemma auf, wenn nichtchristliche Taufpaten die Eltern bei der christlichen Erziehung unterstützen sollen. (Bild: Peter A. Meier)

«Es geht uns Pfarrerinnen und Pfarrern nicht darum, Konzessionen an den Zeitgeist zu machen. Aber als Vertreter dieser Kirche wollen wir weiterhin einladend wirken und ohne schlechtes Gewissen Menschen taufen.» Mit diesen Worten begründete Dekan Hans-Walter Hoppensack an der Herbstsynode die von der Pfarrschaft beantragte Liberalisierung beim Zugang zur kirchlichen Taufe. Hintergrund des Antrags bildet die Bestimmung in der Kirchenordnung, laut der die Taufpaten beide zwingend einer christlichen Kirche angehören müssen. Überdies hält die Kirchenordnung fest, dass es «mindestens zwei» Taufpaten sein müssen, die die Eltern bei der «christlichen» Erziehung unterstützen sollen. Tatsache ist aber, dass es für viele taufwillige Eltern schwierig ist, eine Gotte und einen Götti zu finden, die diese Anforderungen erfüllen.

Die Synodalen zeigten Verständnis für das Anliegen. Walter Schaub, Synodaler aus Kerenzen, beantragte, die Taufpaten von der Verpflichtung zu befreien, die Eltern bei der «christlichen Erziehung und Unterweisung» unterstützen zu müssen. «Das ist für Menschen, die einer nichtchristlichen Glaubensgemeinschaft angehören, unzumutbar!», hielt Schaub fest. Er stiess damit bei der grossen Mehrheit im Kirchenparlament auf Zustimmung.

Generationenkirche und 500 Jahre Reformation

Die übrigen Geschäfte verabschiedete die Synode ohne viel Diskussionen. Ulrich Knoepfel, Präsident des kantonalen Kirchenrates, orientierte über die bevorstehenden Schritte beim innerkirchlichen Erneuerungsprojekt «Generationenkirche». Die kirchlichen Regionen, die geografisch in etwa mit den politischen Gemeinden übereinstimmen, entwickeln spezifische Angebotsprofile. An einem Workshop Anfang 2017 werden die Regionalvertreter einander das bisher Geleistete präsentieren. Knoepfel ermunterte die Kirchgemeinden, gerade 2017 – die Reformierten Kirchen feiern weltweit ihr 500-Jahr-Jubiläum – besonders aktiv zu sein und mit zielgruppenspezifischen Angebote auf sich aufmerksam zu machen.

Stabile Finanzen

Kirchenrätin Rosmarie Figi präsentierte den Synodalen das Budget 2017. Dieses sieht einen kleinen Einnahmenüberschuss von knapp 4’000 Franken vor, dies bei unverändertem Steuerfuss von 1,9 Prozent. Figi rechnet auch in den nächsten Jahren mit stabilen Finanzverhältnissen, wie sie bei der Präsentation des Finanzplans darlegte. Die grosse Unbekannte werden die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III sein. Laut Figi stammen immerhin 13 Prozent der kirchlichen Steuereinnahmen von juristischen Personen.