An den 222 Zielgruppengesprächen haben sich die sieben Glarner Kirchgemeinden Ennenda, Glarus-Riedern, Grosstal, Mollis-Näfels, Netstal, Niederurnen und Obstalden-Filzbach beteiligt. Aus der über 50-seitigen Dokumentation der Prozessleiterin Lisbeth Zogg resultiert, dass bis zu 69 Prozent der Befragten der reformierten Kirche wohlwollend gesinnt sind. Jugendliche und Männer sind etwas distanzierter als Frauen und Kinder.
Dies entspricht auch dem schweizweiten Trend. «Mögliche Gründe könnten bei der Jugend der Ablösungsprozess von ihren Eltern und die damit verbundene Neuorientierung sein», interpretiert Theologin Zogg. «Und genau hier muss die Kirche der Jugend eine Gegenwelt zur Schule bieten, in der sie sich verstanden fühlen. Beispiele sind Treffs oder Konzerte.»
Bei den Männern könnten vermehrte Belastung durch Beruf und Familie die Faktoren sein, so Zogg. Obwohl es nicht mehr zur Norm gehöre, einer Kirche anzugehören, würden viele Mitglieder in der Kirche bleiben. Denn für viele sei der Glaube an eine göttliche Kraft elementar. Entsprechend könne der Erfolg der Kirche nicht (mehr) nur am Gottesdienstbesuch gemessen werden, resümiert Zogg.
Kasualien sind beliebt
Aus der Sicht der Befragten könnte die Kirche noch viel mehr tun. Aber zu viele Angebote würden den Frei- und Entwicklungsraum einschränken, daher: «Ist es sinnvoller, sich auf Schwerpunkte zu konzentrieren», betont Zogg. Dieser Meinung schliesst sich auch der kantonale Kirchenratspräsident Ulrich Knoepfel an: «Durch die bedürfnisorientierte Konzentration auf das Wesentliche erreichen wir viel mehr Personen.»
In der Umfrage bestätigt wurde auch die wichtige Rolle der Kasualien (Hochzeiten, Taufen, Trauergottesdienste und Konfirmationen), die bei der Bevölkerung als bewährte Traditionen sehr beliebt sind. In der Umsetzung hat ein Richtungswechsel stattgefunden, wie der reformierte Pfarrer und Projektleiter Sebastian Doll bestätigt: «Während früher der Pfarrer das Datum bestimmte, sind es heute die Familien. Daher verstehe ich mich auch als Dienstleister und freue mich über das rege Interesse und die Würdigung, was für mich ein Vertrauenszeichen ist.»