Proteste in Kolkata gegen Vergewaltigung von Nonne

Mit einer friedlichen Mahnwache in einem Park der ostindischen Stadt Kolkata haben hunderte Priester, Schülerinnen, Nonnen und Frauen aus allen Schichten der Gesellschaft am Montag gegen die Gruppenvergewaltigung einer 75-jährigen Nonne protestiert

Die Stadt Kolkata in Ostindien auf einer Karte.
Die Stadt Kolkata in Ostindien auf einer Karte. (Bild: Wikimedia)

Sie führten Protestbanner mit Sprüchen wie «Diese Welt gehört Frauen» und «Wir wollen ein Indien ohne Vergewaltigungen» mit sich. Bankmanagerin Partha Tripathi sprach von einem «Verbrechen gegen die Menschlichkeit»: «Es scheint so, dass sich selbst Tiere besser verhalten.» Viele Demonstranten stellten rund um eine Statue von Mutter Teresa Kerzen auf.

Sechs Männer waren nach Angaben der Polizei in der Nacht zum Samstag in eine Klosterschule der rund 70 Kilometer von Kolkata entfernten Stadt Ranaghar eingebrochen, hatten einen Wachmann überwältigt, die Nonne vergewaltigt und dann die Schule geplündert. Sie zerstörten demnach auch heilige Schriften sowie eine Jesus-Statue.

Vier der Männer konnten mit Hilfe von Überwachungskameras identifiziert werden – doch obwohl die Polizei nach eigenen Angaben zehn Männer verhörte, nahm sie bis Montag niemanden fest.

Grausame sexuelle Übergriffe

Der Angriff auf die Nonne reiht sich nicht nur ein in eine lange Liste grausamer sexueller Übergriffe auf Frauen in Indien. Er schürt auch die Angst der christlichen Minderheit vor wachsender Gewalt radikaler Hinduisten gegen Anhänger anderer Religionen.

Nach mehreren Anschlägen auf ihre Kirchen sowie einer Serie sogenannter Massenübertritte von Christen und Muslimen zum Hinduismus warfen christliche Vertreter dem nationalistisch-hinduistischen Premierminister Narendra Modi vor, allzu lange zu den Taten hinduistischer Fundamentalisten geschwiegen zu haben. Im Februar kündigte Modi schliesslich an, gegen die Urheber religiös motivierter Gewalt entschieden vorzugehen. (sda)