Franziskus meinte im Flugzeug von Seoul nach Rom, er sei zu einer solchen Reise bereit – auch wenn «das vielleicht nicht die beste Sache» sei. Dieses laute Nachdenken kommt nach einer ganzen Reihe von diplomatischen Initiativen des Vatikans angesichts des Vormarschs der IS-Dschihadisten im Nord-Irak. Zuletzt schrieb Franziskus deshalb sogar einen Brief an Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon.
Bleibt die Frage, was Papst Franziskus mit einer Reise in den Irak erreichen könnte. Natürlich wäre es ein starkes Signal der Verbundenheit insbesondere mit den Christen. Ein wichtiger Gesprächspartner wäre sicher Kurdenführer Masud Barzani, um dessen Hauptstadt Erbil herum viele Christen aus Mossul Zuflucht gefunden haben. Er habe mit Barzani Ende Mai über die Lage gesprochen, sagte Franziskus. Dabei stiess er offenbar auf viel Verständnis. Allerdings müssten vor einer solchen Reise viele Sicherheitsfragen geklärt werden.
Keine Überraschung waren dagegen die Antworten des Papstes auf die Frage, ob US-Bombardements gegen IS-Stellungen legitim seien. Die Menschheit habe das Recht, «einen ungerechten Aggressor zu stoppen», zitierte er die katholische Position zum Recht auf Verteidigung. «Ich benutze bewusst das Wort stoppen, ich spreche nicht von bombardieren oder kriegführen», fügte er hinzu. Dieses «Stoppen» müsse mit geeigneten Mitteln erfolgen. Zudem müsse das Vorgehen international abgesegnet sein, etwa durch die Vereinten Nationen. Die katholische Lehre erlaubt, sich in Notwehr militärisch zu verteidigen, hält es in manchen Fällen sogar für geboten – freilich unter strengen Auflagen.
«Dritter Weltkrieg» in Stücken?
In vielen Teilen der Welt herrsche heute Krieg, beklagte der Papst bei seiner einstündigen Pressekonferenz an Bord der Korean Airlines. «Jemand sagte mir, wissen Sie, dass wir im Dritten Weltkrieg sind, aber in Stücken», zitierte Franziskus einen anonymen Gesprächspartner – ohne den Gedanken zu vertiefen oder sich zu eigen zu machen. (kipa)