Italien
Denkmalschutzbehörde prüft Meloni-Engel
Ein Fresko in einer der ältesten Kirchen Roms hat Italien in Aufruhr versetzt. Darauf zu sehen sind zwei Engel, wobei einer davon ungewöhnlich deutlich der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni gleicht. Der «Meloni-Engel» hält eine Schriftrolle mit den Umrissen Italiens in der Hand. Der andere Engel reicht ihm eine Krone.
Zu sehen ist das Fresko in der Basilika San Lorenzo im historischen Zentrum Roms, neben einer Marmorbüste von Umberto II. von Savoyen, dem letzten König Italiens. Die katholische Kirche hat Wurzeln bis ins fünfte Jahrhundert, was sie zu einer der ältesten Kirchen in der italienischen Hauptstadt macht. Das Fresko selbst ist Medienberichten zufolgen nicht sehr alt – es soll aus dem Jahr 2000 stammen.
Angeblich soll der 82-jährige Künstler Bruno Valentinetti für die Ähnlichkeit des Engels mit Meloni verantwortlich sein. Er hat das Fresko kürzlich restauriert, wie die Tageszeitung «La Repubblica» berichtete. Valentinetti soll ein Sympathisant Melonis sein. Ausserdem soll er früher vom inzwischen verstorbenen rechtspopulistischen Regierungschef Silvio Berlusconi für Renovierungsarbeiten in einer Villa beauftragt worden sein. Auf Fragen von Reportern antwortete Valentinetti: «Wer sagt, dass es sich um Premierministerin Meloni handelt?»
Veränderung wurde nicht gemeldet
Nun nimmt sich die für Archäologie und Kunstgeschichte zuständige römische Denkmalschutzbehörde des Falls an. Anhand von Archivunterlagen, Fotografien und Entwurfszeichnungen will sie klären, ob das aktuelle Erscheinungsbild von der ursprünglichen Fassung abweicht. Sollte sich bestätigen, dass der Eingriff ohne Genehmigung erfolgte, sei eine Wiederherstellung der Originalfassung vorgesehen, teilte die Behörde mit.
Die Basilika gehört zum Unesco-Welterbe. Auch wenn das Fresko nicht als antikes Kunstwerk gilt, sind Eingriffe genehmigungspflichtig. Eine Veränderung des Engelsgesichts sei den zuständigen Stellen nicht gemeldet worden, hiess es. Die Untersuchungen dauern an, eine abschliessende Entscheidung steht noch aus.
Auch Meloni und der Vatikan reagierten
Meloni selbst hatte ein Foto des Engels auf ihrer Instagram-Seite gepostet. Dazu schrieb die 49-Jährige, versehen mit einem lachenden Smiley: «Nein, ich sehe sicherlich nicht wie ein Engel aus.»
Schliesslich meldete sich auch der Vatikan zu Wort, da Papst Leo als Oberhaupt der katholischen Kirche auch Bischof von Rom ist. Der Generalvikar des Bistums, Kardinal Baldo Reina, betonte, dass «Bilder der sakralen Kunst und der christlichen Tradition» nicht für andere Zwecke instrumentalisiert werden dürfen.
Seit Samstag strömen Hunderte Menschen in die Basilika, um das Fresko aus der Nähe zu betrachten. Der bekannte italienische Komiker Fiorello scherzte im Radio: «Der Engel Meloni schafft ein Wunder und bringt die Römer wieder in die Kirche.» (sda/ eba)