Am Senden: Theologe Bardill und Milieuanwalt Landmann

In der Sendung «Focus - Blind Date» trifft der Liedermacher und Theologe Linard Bardill auf den Milieuanwalt Valentin Landmann. Das grosse, manchmal aber auch nervige Gespräch ist ein Service-public-Meisterstück. Eine Medienkritik.

Die Idee der SRF-Sendung «Focus Blind Date» ist bestechend einfach und maximal unterhaltsam: Die Redaktion setzt zwei Prominente in einer Fabrikhalle an einen Tisch und hängt zwischen die beiden einen Rollladen. Wer sich dahinter verbirgt, wissen die Gäste nicht. Dann wird das Rollo entfernt, das Gegenüber erfasst und eine Begrüssung formuliert. Eine volle Stunde müssen sich die zwei nun unterhalten und dabei das schaffen, woran selbst gestandene Journalisten regelmässig scheitern: Spannung erzeugen.

Liedermacher Linard Bardill und Milieuanwalt Valentin Landmann bitten sich gleich zu Beginn gegenseitig um Hilfe: Das Gesicht sei bekannt, der Name nicht. Es ist der Start eines Gesprächs, das richtungslos verläuft – und dennoch konsequent durch die grossen Menschheitsfragen mäandert. In ihren Positionen schmiegen sich der Theologe Bardill und der Hells-Angels-Rechtsanwalt Landmann überraschend oft aneinander. So beispielsweise bei der Skepsis gegenüber dem Staat oder im Unverständnis gegenüber der grassierenden politischen Korrektheit. Wenn Bardill, Vater eines Sohnes mit Downsyndrom, freimütig über das Wort «Mongo» sinniert, scheinen Mikrofon und Kamera tatsächlich vergessen.

Zuhören? Fehlanzeige bei Landmann

Tod, Schuld, Menschlichkeit: Bis auf wenige Allgemeinplätze liefern Bardill und Landmann ausgesprochen kluge Ansichten. Gross der Moment, als Landmann über sein Credo bei der Arbeit spricht: «Als Anwalt verteidige ich immer den Menschen und nicht die Tat, die er begangen hat.» Er sagt, dass es seine Aufgabe sei, dem Richter zu ermöglichen, «in die Landschaft eines Angeklagten» blicken zu können. Allerdings: So nahe beieinander die Positionen auch liegen, so schwierig ist stellenweise auch das Miteinander im Gespräch. Aufmerksames Zuhören ist Landmanns Sache nicht, was bisweilen nervt.

Den Verantwortlichen ist mit dem Format ein Service-public-Meisterstück geglückt, das auch noch im Seitenwagen den konvergenten Journalismus mitführt: Die Sendung wird in geraffter Fassung im Fernsehen gezeigt und einen Tag später in voller Länge im Radio gesendet. Meisterhaft ist aber auch die Auswahl der Gäste. Wer Leute wie Bardill und Landmann an einen Tisch setzt und sie eine Stunde lang über Gott und die Welt reden lässt, beweist Humor.

«Focus – Blind Date» auf SRF 1 (2.8.) und Radio SRF 3 (3.8.2015)

Sendung in voller Länge auf Radio SRF 3

 


Dieser Artikel stammt aus der «Reformierten Presse» vom 7. August 2015.