Martin Luther in einem braven Computerspiel

Zum Reformationsjubiläum dürfen Kinder und Erwachsene den Reformator Martin Luther spielerisch entdecken. Eine gute Idee - leider mangelhaft umgesetzt.


Das Reformationsjubiläum macht auch vor Computerspielen nicht Halt. Nach Johannes Calvin ist nun Martin Luther an der Reihe. Geführt von Kirchenelster Kira absolvieren die Spieler fünf Stationen im Leben des Reformators. So helfen sie Martin, den Blitzen des Gewitters auszuweichen, ordnen seinen Tagesablauf im Kloster, fliehen mit ihm vor seinen Verfolgern, helfen bei der Übersetzung der Bibel und verteilen die neue Bibel im Volk.

Diese Aufgaben bestehen aus Minispielen, die Geschicklichkeit, Erinnerungsvermögen und kombinatorische Fertigkeiten ansprechen und in einer leichteren oder schwierigeren Variante gespielt werden können – wo Martin scheitert, muss die Aufgabe wiederholt werden. Am Ende jedes Spiels folgt eine Bewertung der Leistung und die Möglichkeit, historische Informationen zum Leben Martin Luthers und der Reformation abzurufen.  

Ansprüche nicht erfüllt
Sicher darf man sich Luther und der Reformation spielerisch und mit Humor nähern. Und sicher muss sich «Martin Luthers Abenteuer» die Frage gefallen lassen, ob hier durch comic-hafte Inszenierung und interaktive Steuerung einer zentralen Persönlichkeit der Kirchengeschichte nicht auch mit der Würde des Reformators und den Gefühlen der Gläubigen gespielt wird.

Doch abgesehen davon wird das Spiel seinen Ansprüchen nicht gerecht. Es übernimmt Mechaniken von Gelegenheitsspielen und präsentiert diese vor dem Hintergrund ausgewählter Thematiken von Martin Luthers Leben – ohne allerdings diese mit den eigentlichen Spielhandlungen sinnvoll zu verbinden. So gibt „Martin Luthers Abenteuer“ einerseits ein dürftiges Gelegenheitsspiel ab. Zwar ist die comicartige Grafik niedlich, die simple Musik passt gut zum jeweiligen Thema und die Schwierigkeitsgrade sowie die Speicherung und Darstellung der erzielten Erfolge reizen zu einem weiteren Durchgang.

Spielspass bleibt auf der Strecke
Der Spielspass bleibt trotzdem auf der Strecke, denn die meisten der Minispiele sind anspruchslos und schlicht langweilig. Nur im letzten Spiel, wo Wurfwinkel und –stärke abgeschätzt werden müssen, um die Bibel im Volk zu verteilen, kommt etwas Spannung auf. Andererseits kann «Martin Luthers Abenteuer» auch nicht als gutes Lernspiel durchgehen. Dank der gelungenen Führung durch Kira sind historische Fakten zwar auch in die Erzählung eingebettet. Die Spielhandlung jedoch bezieht sich nicht auf die Fakten, sondern auf fiktive und humorvolle Nebenaspekte.

Die Spieler sind also damit beschäftigt, dass Luther nicht mehr als vier Mal vom Blitz getroffen werden darf, um das Gewitter zu überleben, und nicht damit, weshalb das Gewitter seine Angst vor Gott schürte und ihn zum Ablegen des Mönchgelübdes bewegte. Oder sie lernen, dass Luther die Bibel durch die Zuordnung von lateinischen zu griechischen Buchstaben übersetzte, und nicht, dass das Griechische eine andere Sprache und jedes Übersetzen auch ein Interpretieren ist. Die Hintergründe der Spielhandlungen werden zwar in den historischen Texten geklärt, allerdings auf freiwilliger Basis.

Was bleibt, ist eine weitere Onlineaktion zum Reformationsjubiläum, ein braves Computerspiel für Kinder, bestenfalls eine Ausgangsbasis für die Vertiefung der Themen Martin Luther und Reformation im Religionsunterricht. Nicht mehr und nicht weniger.


Angaben zum Spiel
Martin Luthers Abenteuer (KIDS interactive GmbH/Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern/Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers 2013). Plattform: Internet; iPad; Android-Tablet. Webseite: http://www.kirche-entdecken.de/frontend/lutherspiel.php. Keine offizielle Alterseinstufung. Empfehlung des Autors: Ab 7 Jahren


Über den Autor
Oliver Steffen ist Doktorand am Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Between God Mode and God Mood» erforscht er die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

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