Luthers Thesenanschlag laut Historikern mehr als bloss Legende

Zwei Historiker wollen in ihrem neuen Buch mit den Mythen rund um den legendären Thesenanschlag aufräumen.


Eine neue Publikation soll die Faktenlage über Luthers Thesenanschlag neu aufzeigen. Das 152 Seiten umfassende Buch ist unter dem Titel «Tatsache! Die Wahrheit über Luthers Thesenanschlag» von der Evangelischen Verlagsanstalt herausgegeben worden.

Die Historiker Mirko Gutjahr und Benjamin Hasselhorn, die beide als wissenschaftliche Mitarbeiter der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt arbeiten, haben gemäss Verlag Beweise für den Thesenanschlag zusammengetragen. Im Buch werde mit einigen Mythen der vergangenen Jahre aufgeräumt, unter anderem damit, dass der Thesenanschlag nur «Legende» oder eine «fragwürdige Überlieferung» sei.

Selbst Experten stellten den Thesenanschlag infrage, obwohl 2007 eine Notiz von Luthers Privatsekretär Georg Rörer als früheste Quelle über die Geschehnisse des 31. Oktober 1517 wiederentdeckt worden war, schreibt der Verlag weiter.

Unumstrittener Schicksalstag

Die Autoren gehen in ihrer Publikation verschiedenen Fragen nach, unter anderem wie es zu der Überzeugung gekommen sei, dass der Thesenanschlag nicht stattgefunden habe und warum er überhaupt wichtig sei. Schliesslich sei nie bestritten worden, dass Luther seine Thesen am 31. Oktober 1517 verschickt habe.

1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der Überlieferung nach nagelte er sie am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Mirko Gutjahr, 1974 in Pforzheim geboren, ist Historiker und Archäologe. Er kuratierte zum 500. Reformationsjubiläum 2017 die Nationale Sonderausstellung «Luther! 95 Schätze – 95 Menschen». Benjamin Hasselhorn, 1986 in Göttingen geboren, ist Historiker und Theologe. Er ist wie Gutjahr ebenfalls Mitarbeiter der Stiftung Luthergedenkstätten und kuratierte ebenso die Nationale Sonderausstellung in Wittenberg. Bei der Evangelischen Verlagsanstalt erschien zuletzt seine Streitschrift «Das Ende des Luthertums?». (epd/pd)