«La belle saison»: Liebe und Loyalität in den 70ern

Im Film «La belle saison» zieht Delphine Anfang der 70er-Jahre nach Paris und verliebt sich Hals über Kopf in die Feministin Carole. Als Delphine in die Provinz zurückkehren muss, wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt.

Sie ist Anfang zwanzig und arbeitet auf dem Hof ihrer Eltern in der französischen Provinz. Doch Delphine (Izïa Higelin) zieht es nach Paris und mitten hinein in die Frauenbewegung der 70er-Jahre. Dort lernt sie Carole (Cécile de France) kennen, eine Feministin der ersten Stunde. Delphine verliebt sich in die leidenschaftliche Mitdreissigerin, die die Avancen zunächst ablehnt.

Der Faszination für Delphine kann sie sich jedoch nicht lange entziehen und so beendet sie die Beziehung zu ihrem Freund und folgt der neuen Liebe aufs Land. Denn als Delphines Vater einen Schlaganfall erleidet, muss sie Paris verlassen und ihrer Mutter auf dem Hof helfen. Hier sind ihre Gefühle füreinander ein Geheimnis, das es zu bewahren gilt. Für Carole wird dies jedoch bald zur unmöglichen Situation.

Für mehr Selbstbestimmung

Regisseurin Catherine Corsini legt ihren Blick auf den Stadt/Land-Graben zu Beginn der 70er-Jahre. Damals waren die Differenzen noch stärker, das Unverständnis umso grösser. Während man auf dem Land um die nackte Existenz kämpfte, traten in Paris Frauen für mehr Selbstbestimmung auf die Strasse. Auch eine lesbische Beziehung konnte nur in der einen Welt, jedoch nicht in der anderen existieren.

Corsini zeichnet einen Gefühlsbogen über tief empfundene Loyalität bis zu ebensolcher Liebe nach, nicht pathetisch und stets nah an den Figuren. Eine Geschichte, die bewegt, weil sie etwas bewegt, weil sie immer auch eine leise Annäherung ist an das, was man nicht kennt.