Jugendliche im Kaufrausch: Auf die Bescherung folgen Schulden

Im Weihnachtsgeschäft verfallen auch Jugendliche dem Kaufrausch. Leben auf Pump, Budgetexzesse für Geschenke oder Selbstbelohnungen lassen die Schuldenspirale schneller drehen. Ein Viertel der 16- bis 25-Jährigen ist verschuldet.

Mit dem Plastikgeld in die Schuldenspirale: Jeder vierte Jugendliche in der Schweiz hat Schulden.

Der Dezember sei eine schwierige Periode für das Portemonnaie der 18- bis 25- Jährigen, sagt Alexandre Tadic, Sozialarbeiter bei Jet Service, einem Schulden- Präventionsprogramm des Westschweizer Centre Social Protestant. Im Schnitt wollen Erwachsene in diesem Jahr laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens EY 289 Franken für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Dies ist keine riesige Summe, sie kann in Extremfällen aber auch deutlich höher sein und zusammen mit anderen Ausgaben und Fixkosten tiefer in die Schuldenfalle führen. «Die Mehrheit der Jugendlichen, die zu uns kommen, haben Probleme damit, ihre Mieten, Krankenkassenprämien oder ÖV-Abos zu bezahlen. Schulden aus eigentlich verzichtbarem Konsum sind deutlich weniger häufig», hält Tadic fest. Dennoch gibt es Ausnahmen. Tadic berichtet von einem Fall, wo Käufe von Weihnachtsgeschenken zu Schulden von über 100’000 Franken führten. Unkontrolliertes Kaufverhalten ist bei jüngeren Menschen ausgeprägter als bei älteren. Laut einer Studie der Berner Fachhochschule neigen über 9 Prozent der Menschen unter 35 Jahren zu Kaufsucht. Bei Menschen über 35 fällt dieser Anteil auf 2,2 Prozent.

Jeder Vierte ist verschuldet

Ein Viertel der 16- bis 25-Jährigen ist verschuldet. Und 80 Prozent der Menschen, die sich in die Schuldenberatung begeben, haben bereits vor dem Alter von 25 Jahren mehr ausgegeben als eingenommen. Christine Egger von der katholischen Caritas ergänzt: «Unter 25-Jährige zapfen vorderhand häufig private Kanäle – Familie und Freunde – an, um Schulden zu begleichen. Erst später, wenn die Lage unhaltbar wird, wenden sie sich an die Sozialdienste.» Laut dem jüngsten Schuldenradar der Inkassofirma Intrum Justitia ist jeder Dritte Jugendliche, der sich vor fünf Jahren erstmals verschuldet hat, mit offenen Rechnungen konfrontiert. Die Entschuldung brauche Zeit, hält Egger fest. «Man muss mit mindestens drei Jahren rechnen, bis die Finanzlage wieder gesund ist, auch wenn jeder Fall verschieden ist und einzeln analysiert werden muss.»

Frust an Weihnachten

Laut Intrum Justitia sind die 18- bis 25-Jährigen in der Romandie am stärksten gefährdet, in die Schuldenfalle zu geraten. Auch Alleinerziehende und Singles sind überdurchschnittlich oft betroffen. Die Festtage am Jahresende seien für verschuldete Menschen oft eine schwierige Phase, insbesondere wenn der 13. Monatslohn verpfändet sei, sagt Egger. Um nicht in eine solche Situation zu geraten, rät die Sozialhelferin, Ausgaben und Schulden detailliert mit den Einnahmen abzuwägen. Ein Budget helfe, nicht in die Falle zu geraten. Wer in die Verschuldung rutsche, solle nicht zögern, Sozialdienste zu kontaktieren. Man müsse sich nicht schämen, denn es könne jeden treffen, in die Schuldenfalle zu geraten. «Auch wenn es keine Zauberlösung gibt, Beratung kann helfen, eine noch komplexere Lage abzuwenden», sagt Egger. (sda)