«Ich möchte für eine erneute Zeitspanne von fünf Jahren nicht eine Energie und Vitalität voraussetzen, für die ich nicht garantieren kann», begründete Gauck seinen Rückzug. Die Entscheidung wurde parteiübergreifend mit Respekt und Bedauern aufgenommen. Die Wahl des neuen Staatsoberhaupts durch die Bundesversammlung soll am 12. Februar stattfinden.
Der frühere evangelische Pastor in der DDR war 2012 ins höchste Staatsamt gewählt worden. Bereits 2010 war Gauck als Kandidat von Rot-Grün angetreten, damals aber unterlegen. Umfragen bescheinigen Gauck hohe Zustimmungswerte in der Bevölkerung.
Das Staatsoberhaupt betonte, Deutschland habe funktionierende Institutionen, so dass der Wechsel im Amt des Bundespräsidenten kein Grund zur Sorge sei, sondern «vielmehr demokratische Normalität». Dies gelte «auch in fordernden, auch in schwierigen Zeiten». «Wir haben gute Gründe, uns Zukunft zuzutrauen», sagte der im Januar 1940 in Rostock geborene Gauck.
Kandidatenkarussell dreht sich schon
Die Suche nach einem Nachfolger gilt als heikel, da mögliche Parteienabsprachen als Signal für die im Herbst 2017 anstehende Bundestagswahl gewertet werden dürften. Sowohl Merkel wie auch Gabriel sehen sich mit Forderungen aus ihren Parteien konfrontiert, einen Kandidaten aus den eigenen Reihen ins Rennen zu schicken und diesen notfalls gegen den Koalitionspartner durchzusetzen.
Schon am Wochenende hatte nach einem Medienbericht zu Gaucks Entscheidung die Debatte über Nachfolger begonnen. Als mögliche Anwärter auf das höchste Staatsamt gelten Bundestagspräsident Lammert (CDU), CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ebenso wie Verfassungsrichter Andreas Vosskuhle genannt.
Aus dem Lager der Nicht-Politiker wurden der Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger, und dem Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, Chancen eingeräumt. (sda)