Internetseelsorge feiert Jubiläum und kämpft ums Geld

Das Internet war in der Schweiz kaum angekommen, als der reformierte Pfarrer Jakob Vetsch zusammen mit einem Informatiker die Internetplattform Seelsorge.net lancierte. Heute, zwanzig Jahre später, kämpft das Projekt mit Geldsorgen.

Der Psychologe Bruno Kunz bei seiner Arbeit für Seelsorge.net. (Bild: zvg)

Wie die Verantwortlichen am 30. Juli in einer Mitteilung schreiben, haben seit dem Start vor zwanzig Jahren über 18‘000 Menschen in der Schweiz per E-Mail Unterstützung auf der Plattform gesucht. Dabei stammt die Mehrheit der Ratsuchenden aus der Deutschschweiz, wobei die Beratungen auch auf Französisch und Italienisch angeboten werden. Die Mails wurden im vergangenen Jahr von 18 erfahrenen und geschulten Seelsorgern allesamt ehrenamtlich beantwortet.

Zukunftssorgen nach Ausstieg der Katholiken

Sorgen bereitet den Verantwortlichen das Geld. Der Bärenanteil der Kosten zahlten bis Ende 2013 die Deutschschweizerische Kirchenkonferenz (Kiko) der reformierten Kirchen und das katholische Pendant, die Römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ). Letztere hat allerdings per Ende 2013 ihre Unterstützungbeiträge eingestellt, was bis heute Sparanstrengungen und die Suche nach neuen Geldgebern zur Folge hat. Aufgrund dem fehlenden Geld wurden die Stellenprozente der Koordinatorin und der Mailmaisters gekürzt, wie Claudia Kriesi von Seelsorge.net gegenüber ref.ch sagt. Weiter belaste in der Zwischenzeit auch die Büromiete nicht mehr die laufende Rechnung, da die Koordinatorin ein «Homeoffice» betreibe. Das Budget der Organisation beträgt für das laufende Jahr 182‘000 Franken.

Der Unterschied zur «Dargebotenen Hand»

Die Plattform Seelsorge.net ist seit dem Start vor zwanzig Jahren ökumenisch ausgerichtet. Das ist auch nach dem Ausstieg der RKZ der Fall: So unterstützen die katholische Körperschaft, sowie der katholische und der reformierte Stadtverband Zürich weiterhin das Projekt. Gemäss Kriesi unterscheide sich Seelsorge.net gegenüber Angeboten wie der «Dargebotenen Hand», dass nur Personen in der Beratung tätig seien, die eine qualifizierte Ausbildung in den Bereichen Seelsorge oder Psychologie vorzuweisen hätten. Weiter seien die Beratenden in den beiden grossen Landeskirchen «tätig oder beheimatet».

 

Zur Website Seelsorge.net

 

 


Die öffentliche Jubiläumsfeier findet am 18. September ab 17.15 im Kirchgemeindehaus Aussersihl in Zürich statt. Unter dem Titel «Kommunikation ist heilig» referiert Marc Böhler, 2000 bis 2011 Redaktor bei NZZ online und Fachmann für neue Medien. Anschliessend Podiumsdiskussion mit Internet-Seelsorgern.