Imam in Lugano ruft zu Kirchenbesuch auf

Der Imam der Moschee in Lugano hat über ein Zeitungsinserat seine Glaubensbrüder und -schwestern zu Kirchenbesuchen am kommenden Sonntag aufgerufen. So solle der Schmerz über die terroristischen Akte zum Ausdruck gebracht werden, die in den vergangenen Monaten im Namen des Islam verübt worden seien.

Die Tessiner Muslime sollen nächsten Sonntag die Kirchen besuchen - zum Beispiel die lutheranische Kirche in Lugano.
Die Tessiner Muslime sollen nächsten Sonntag die Kirchen besuchen - zum Beispiel die lutheranische Kirche in Lugano. (Bild: Francesco Piraneo G.)

Die Muslime Luganos sollen sich «aus freien Stücken und leise» in die christlichen Gotteshäuser begeben, schreibt Samir Raadouan Jelassi in der Annonce, die am Dienstag im «Giornale del Popolo» erschienen ist. Er ist der alleinige Unterzeichner des Schreibens.

Mit der Geste solle am kommenden Sonntag die «Nähe» zur christlichen Glaubensgemeinschaft zum Ausdruck gebracht werden. Dies sei gerade vor dem Hintergrund der tödlichen Attacke auf einen Priester im vergangenen Juli in Rouen von grosser Bedeutung.

Das Ziel der Muslime im Tessin sei der Dialog und das friedliche Zusammenleben mit Menschen anderer Glaubensrichtungen, so Jelassi.

Der Bischof von Lugano, Valerio Lazzeri, begrüsste die Initiative der muslimischen Gemeinschaft. Sie sei ein grosses Zeichen der Solidarität, schrieb der Bischof in einer Mitteilung. Trotz der Unterschiede und ohne dass die eigene Identität verleugnet werde, sollen beide Glaubensgemeinschaften eine «friedliche Zusammenarbeit» anstreben. (sda)