«I have a dream»: Martin Luther Kings grosse Rede
Vor knapp 60 Jahren, am 28. August 1963, versammelten sich rund 250’000 Menschen in der US-Hauptstadt Washington. Viele trugen ihre Sonntagskleidung, trotz der Sommerhitze. Es war die bis dahin grösste Kundgebung in der Geschichte der USA, das Fernsehen übertrug. Die Menschen kamen, um für ihre Bürgerrechte zu demonstrieren. Am meisten bewegt hat der junge farbige Baptistenpastor Martin Luther King.
«I have a dream», rief er ihnen zu, «Ich habe einen Traum». Er träume davon, dass seine vier Kinder einmal in einer Nation leben würden, «in der man sie nicht nach der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt». Man müsse «den Schuldschein der Gründerväter der USA einlösen», verlangte King, wonach allen Menschen «die unveräusserlichen Rechte von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück garantiert sind».
Lebenslanger Einsatz
Die Bewegung hatte in den 1960er Jahren bereits erste Erfolge errungen. Doch im Süden der USA prägte die Rassentrennung den Alltag. Der demokratische Präsident John F. Kennedy aber pochte auf Gleichberechtigung: Sie sei ein «moralisches Anliegen», für das man Antworten in der Bibel und in der amerikanischen Verfassung finde.
Vor der Grosskundgebung am 28. August in Washington sei er skeptisch gewesen, berichtete John Lewis, mit seinen 23 Jahren damals jüngster Redner an der Kundgebung in Washington. Präsident Kennedy habe vor «Unruhen und Chaos» gewarnt. Tausende Soldaten waren in Alarmbereitschaft und es galt ein Alkoholverbot in der Hauptstadt.
Nach der Kundgebung wurden die Redner im Präsidentenbüro empfangen und gelobt, sagte Lewis später. Ein Erlebnis mit Tragweite: John Lewis widmete sein Leben dem Kampf um die Bürgerrechte. Von 1987 bis zu seinem Tod 2020 sass er für die demokratische Partei im Repräsentantenhaus.
Manuskript wird ausgestellt
Kings legendäre Rede, die so viele Menschen inspiriert hat, bekommt am Jahrestag einen grossen Auftritt: Das Nationale Museum der afrikanisch-amerikanischen Geschichte und Kultur in Washington stellt das Redemanuskript aus. Und es zeigt Erstaunliches: Im ursprünglichen Text fehlt die berühmte Passage: «Ich habe einen Traum». King hat offenbar improvisiert.
Einen Hinweis darauf hat der Bürgerrechtler in seiner Autobiografie gegeben: Anfangs habe er nur aus dem Manuskript gelesen. Doch die Reaktionen der Zuhörer hätten ihn dazu gebracht, spontan einen Satz einzustreuen, den er gelegentlich bei Reden verwendete: «I have a dream».
Kings Ansprache am 28. August 1963 war eine Aufforderung zur Demokratie und zur Teilhabe. Die Veränderungen sollten kommen: Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnete 1964 ein weitreichendes Bürgerrechtsgesetz und 1965 ein Wahlrechtsgesetz.
Martin Luther King wurde am 4. April 1968 im Alter von 39 Jahren ermordet. Zu seinen Ehren haben die USA einen Nationalfeiertag eingeführt und in Washington ein Martin-Luther-King-Denkmal errichtet.