Erdbebenkatastrophe

Hilfseinsatz in der Türkei und Syrien angelaufen

Die Opferzahlen steigen nach dem schweren Erdbeben an der türkisch-syrischen Grenze. Die internationale Hilfe ist angelaufen.

Beim schweren Erdbeben zwischen der Südtürkei und Nordsyrien sind bisher mehr als 20'000 Menschen verletzt worden, mehrere tausend Menschen kamen ums Leben. Unzählige Gebäude sind eingestürzt. Zahlreiche Länder sagten Unterstützung zu, auch aus der Schweiz haben sich am Montagabend Rettungskräfte auf den Weg gemacht.

Retter in Syrien vermuten, dass noch immer Hunderte Familien unter den Trümmern begraben sind. Die Suche über Nacht sei aufgrund von Sturm und fehlender Ausrüstung nur sehr langsam verlaufen, hiess es von den Weisshelmen. Die Organisation ist in Gebieten in Syrien aktiv, die von Rebellen gehalten werden. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte seien Mediziner überfordert und könnten nicht allen Verletzten das Leben retten.

Im Schnee übernachten

Eine Augenzeugin berichtete der Deutschen Presse-Agentur, im südtürkischen Hatay sei der Strom ausgefallen. Hilfe werde dringend benötigt. Die Tankstellen hätten kein Benzin mehr und es gebe kein Brot zu kaufen. Auch in der Nachbarprovinz Osmaniye sei der Strom ausgefallen, sagte eine Reporterin des Senders CNN Türk.

In der südosttürkischen Metropole Diyarbakir verbrachten viele Menschen die Nacht in Schulen oder Moscheen, wie ein dpa-Mitarbeiter berichtete. «Die Menschen haben Angst, in ihre Häuser zurückzukehren.» Mehrere Nachbeben seien zu spüren gewesen und es sei bitterkalt. Die Zelte der Katastrophenschutzbehörde seien nicht beheizt und reichten nicht aus.

In Syrien haben die verheerenden Erdbeben nach UN-Angaben vor allem Menschen getroffen, die ohnehin schon schutzlos unter desaströsen Bedingungen lebten. Viele Binnenflüchtlinge, die vor der Katastrophe in baufälligen Unterkünften wohnten, mussten die Nacht bei Schnee und eisigen Temperaturen im Freien verbringen, wie eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sagte. Eines der am schwersten vom Erdbeben betroffenen Gebiete ist die Region Idlib, die von Rebellen gehalten wird. Dies dürfte die staatliche Nothilfe dort erschweren. 

Der türkische Vizepräsident, Fuat Oktay, teilte mit, dass etwa 8000 Verschüttete aus den Trümmern gerettet worden seien. Es wurden demnach sogar mehr als 20 Stunden nach dem ersten Beben weiterhin Menschen lebend geborgen. Allerdings schwinden die Chancen mit jeder Minute. In dem betroffenen Bereich habe es seit etwa 900 Jahren kein so grosses Beben mehr gegeben, sagte eine Geologin. Ob und wann weitere grosse Beben folgen, könne nicht vorhergesagt werden.

Schweiz schickt Spezialisten

Griechenland schickte trotz der Spannungen mit der Türkei eine Rettungsmannschaft mit Spürhunden ins Erdbebengebiet. Die EU-Staaten wollen sich untereinander abstimmen.

Auch die humanitäre Hilfe des Bundes als Teil der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ist angelaufen, gegen hundert Spezialisten sollen zum Einsatz kommen. Hilfszusagen kamen auch aus Grossbritannien, Indien, Pakistan, Finnland, Schweden, Russland, der von Russland angegriffenen Ukraine sowie den USA. (sda/ dpa/ jow)