«Hier spielt das Leben.» Diesen Slogan trägt das Sieger-Plakat von Epu Shaha und Mara Kurz, das aus 14 Plakaten von angehenden Polygrafinnen und Polygrafen der Schule für Gestaltung Bern und Biel ausgewählt wurde. Für die beiden Siegerinnen drückt dieser einfache Satz aus, was für sie die «offene kirche» ausmacht: «Offenheit, Kultur, Musik und eine Oase der Stille mitten in der Stadt», erklären die beiden Lernenden ihr Plakat während der Auftaktveranstaltung der Ausstellung in der Heiliggeistkirche (siehe Box unten).
Während der Slogan schnell gefunden war, strapazierte das Fotografieren die Nerven der beiden. Trotz schönem Wetter sei es schwierig gewesen, ein passendes Foto zu machen. «Immer wieder versperrten Busse, Trams oder Passanten die Sicht auf die Heiliggeistkirche», sagt die 20-jährige Mara Kurz. Auf dem Bahnhofsplatz waren sie mit einer Schablone unterwegs. Diese hielten sie vor der Kamera in die Höhe und suchten nach der richtigen Perspektive auf das Gotteshaus.
Kirche hinter der Schablone
Dabei machten sich die beiden Lernenden vielen Gedanken: Wie viel von der Kirche darf man auf dem Foto sehen, wie viele Passanten? «Wichtig war, dass die Turmuhr mit den vergoldeten Zeigern und Ziffern gut erkennbar ist», sagt die 18-jährige Epu Shaha. Die Kirche ist scharf hinter der Schablone zu sehen. Die Passanten, die unter dem Baldachin aus dem Tram aussteigen, hingegen sind nur unscharf abgebildet.
«Das Plakat symbolisiert die ‹offene kirche› als einen Ort, in dem man mitten im pulsierenden Stadtalltag innehalten kann – ein Ort zum Ausatmen», sagt Mara Kurz. «Und ein Haus, in das Personen von überall eintreten können.» Mit dem Plakat hoffen Mara Kurz und Epu Shaha ein breites Publikum anzusprechen und so die Neugier für die «offene kirche» zu wecken. «Oft geht man an der Heiliggeistkirche vorbei, ohne sie richtig wahrzunehmen», sagt Epu Shaha.
Jeden Frühling sucht die Schule für Gestaltung Bern und Biel nach einer Non-Profit Organisation, die als möglicher Auftraggeber für die Lernenden dienen kann. Letztes Jahr schlugen die Lehrer der Leiterin Berufsfachschule Christina Opper vor, die «offene kirche» anzufragen. «Ich kannte die ‹offene kirche› nicht und war erst sehr skeptisch», sagt Christina Opper. «Als Schule dürfen wir nicht eine Glaubensrichtung in den Vordergrund stellen.» Doch die Zweifel seien bereits nach dem ersten Treffen mit dem Vorstand vom Tisch gewesen. «Die ‹offene kirche› spricht nicht nur von Interreligiosität, sie lebt sie auch», sagt Christina Opper.





